Zillo 2006
Orkus 2006
obliveon.de 2006
alternativmusik.de 2006
Wolfszeit 2003
Black-Magazin 2002
metal.de 2002
Orkus 2002
Gothicworld 2002
metal.de 2000


ORPLID 1997

Zillo 2006

Bekanntlich entstammt der Bandname einem Gedicht Mörikes. In besagtem Gedicht wird ein Paradies beschrieben, in dem Harmonie herrscht. Soll Eure Musik demzufolge eine Art klangliches Refugium erschaffen, das dem Hörer einen künstlichen Idealzustand vorgaukelt, und sei es nur deshalb, um ihm einen Eskapismus vom drögen Alltag zu offerieren?

Frank Machau: Mit Eskapismus hat unsere Musik nichts zu tun, wir sind bodenständiger als man vielleicht beim oberflächlichen Hören vermuten mag. Menschen aus ihrem vermeintlich "drögen" Alltag herauszuholen soll auch nicht Aufgabe des Künstlers sein, das wäre einfach und billig. Nein, wir bieten keine Fluchtmöglichkeit für Alltagsüberdrüssige, wir sind nicht Teil einer westlichen Unterhaltungsindustrie, die sich ebendies auf ihre Fahnen geschrieben hat. ORPLID mag einen Idealzustand beschreiben, jedoch keinen, der ergaukelt oder erkauft, wohl aber erträumt und erkämpft werden kann.

Gibt es aber vielleicht völlig andere bzw. zusätzliche Gründe, die Euch dazu bewogen, den Bandnamen zu wählen?


Frank Machau: Wie wäre es denn damit: Der Name klingt gut, ist einprägsam und stellt einen Bezug zu unserem kulturellen Erbe her. Aber es ist eben nur ein Name und kein künstlerisches Manifest.

Uwe Nolte: Das Bild einer Insel jenseits vom gottlosen Treiben der Gegenwartswelt, paßte bestens zu unserem künstlerischen Anliegen. Das Eiland ORPLID sollte ein Treffpunkt für kreative Geister sein, so wie der Präraphaeliten-Bund oder der Worpsweder Künstlerkreis. Uns fehlte es aber damals an der nötigen Ausdauer & Weitsicht, um dieses Projekt entsprechend des hohen Anspruchs zu realisieren. Im Prinzip setzen meine Künstlerfreunde, Weggefährten und ich nun bei noltex.de fort, was ursprünglich nur für ORPLID angedacht war: wir bündeln schöpferische Energien uns verwandter Geister für ein einziges Ziel: die Rückkehr der Schönheit in die Kunst!

Wie muss man sich die Arbeitsteilung innerhalb der Band vorstellen? Warum ist Frank für die ganze Musik zuständig, während Uwe generell eher für das Visuelle und Lyrische zuständig zu sein scheint? Warum ist Uwe nicht tiefer musikalisch involviert? Warum schreibt der Sänger nicht seine Texte selbst?


Frank Machau: Im Verlaufe unserer Zusammenarbeit zeigte sich, wer was am besten kann. So agieren wir also entsprechend unserer Fähigkeiten und was keiner von uns beiden bewerkstelligt, muß ein Dritter übernehmen. Das waren dann im Falle des aktuellen Albums zwei hervorragende Gastsängerinnen. Es bereitet mir übrigens immer wieder großes Vergnügen, Uwes Texte zu interpretieren, mittlerweile habe ich dabei sogar recht passabel zu singen gelernt.

Uwe Nolte: Jeder sei seinem Talent entsprechend Meister. Texte und Musik bedingen einander und Frank genießt seit Jahren mein vollstes Vertrauen.

Wie wichtig ist die visuelle Komponente Eurer Musik? Unterstreicht sie den Inhalt oder führt sie das Geschaute bildhaft weiter? Oder steht das Bildhafte für sich alleine und hat demzufolge eher eine ergänzende Funktion zur Musik?


Frank Machau: Bild und Musik können für sich selbst stehen. Miteinander verschmolzen weisen sie jedoch über sich selbst hinaus und sind um so aussagekräftiger. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto nachhaltiger ist die Wirkung.

Uwe Nolte: Dem ist nichts hinzuzufügen! Wir könnten auch einfach „nur“ eine weitere Veröffentlichung rauspurzeln lassen, aber „Sterbender Satyr“ ist mehr oder weniger als ein Gesamtkunstwerk gedacht, daß wir den Freunden unserer Kunst darbringen, um ihnen bleibende be-sinnliche Momente zu bereiten.

Uwe, was kann man mittels der Fotographie ausdrücken, was die Musik nicht auszudrücken vermag? Warum sind es gerade mythologische Motive, die Du fotographisch umzusetzen versuchst?


Uwe Nolte: Wie Frank schon sagte: Musik, Texte und Bilder könnten auch für sich allein Geltung haben. Ansonsten stehe ich kurz gesagt dem Reich der Mythen näher als der gegenwärtigen Welt. Mich interessiert das Hier und Jetzt kaum. Das war schon als Kind so. Erklären kann ich das nicht. Irgendwann verschwinde ich einfach im Kyffhäuser. Versprochen!

Uwe, welche Funktionen haben Deine beiden Seitenprojekte Barditus und Sonnentau? Vielleicht dienen sie dazu, all das, was nicht zu Orplid passt, künstlerisch umzusetzen? Unterliegen die beiden Projekte einer gewissen musikalischen / inhaltlichen Präkonzeption?


Uwe Nolte: Was sollte nicht zu ORPLID passen? Aber davon abgesehen sind es nie „meine“ Musikprojekte, sondern immer nur Resultate, die durch die spezielle Chemie mit dem entsprechenden Mitstreiter entstehen.

Bei ORPLID waren es eben Volker Willhardt, Claudia Arndt und später dann hauptsächlich Frank Machau und bei den anderen Geschichten ist es eben Andreas Arndt, mit dem ich den NolteX-Kunstverlag betreibe. Gerade haben wir eine wundervolle Hermann Hesse-Liedersammlung fertiggestellt, auf die ich sehr stolz bin. Auch BARDITUS und SONNENTAU sind darauf in gewohnter Klasse vertreten, einmal sogar mit Ian Read.

Meiner Meinung nach ist eure Musik sehr pathetisch. Seid ihr euch dessen bewusst? Wenn ja: Was soll diese Feierlichkeit bewirken?


Frank Machau: Wenn uns dieses Pathos von der von der Banalität und Unverbindlichkeit zeitgenössischer populärer Musik abgrenzt, soll es mir nur Recht sein. Auch wenn es den einen oder anderen Hörer möglicherweise verschreckt...

Uwe Nolte: Was diese Feierlichkeit bewirken soll? In der Frage liegt schon die Antwort verborgen: Feierlichkeit! Das Leben, jeder Atemzug und Moment sind nun mal etwas Einzigartiges. Wer mit diesem Bewußtsein lebt, wird unsere Kunst begreifen als eine ganz natürliche Reflexion erlebter Dinge in etwas abstrahierter Form. Intellektuelles Gefasel oder gar Drogen sind keine Schlüssel zur Kunst. Um sein Bewußtsein zu erweitern, sollte man erstmal (s)ein Bewußtsein entwickeln. Das ist unser eigentliches Anliegen. Unser Motto könnte somit lauten: „Geh auf die Suche und entdecke dich!“.

Wie zufrieden seid ihr mit eurem Eintrag in Looking For Europe? Stellt er die Band adäquat dar? Fehlt etwas? Wie bewertet ihr dieses Buch?


Frank Machau: Ich habe den Text über uns nur einmal beiläufig überflogen. Es ist alles sehr freundlich und wohlwollend geschrieben, also habe ich keinen Grund mich zu beklagen. Das Thema ist mir allerdings letztlich auch nicht allzu wichtig, ich sehe uns nicht als Teil einer Szene (tut mir leid, wenn ich mich da wiederhole) die musikalisch nicht bzw. nicht mehr sonderlich ergiebig ist.

Uwe Nolte: Das Buch selbst habe ich noch nicht begutachten können, aber es wird schon etwas für die Freunde der entsprechenden Musikrichtung sein. Generell finde ich jedes - auch mir nicht ästhetisch zusagende - Engagement gut, sobald es sich gegen die Monokultur der Musikindustrie und geistige Vers(ch)lammung richtet.

Sterbender Satyr kontrastiert das Folkloristische, mit kalten, maschinen- generierten Klängen. Worin liegen die Gründe, dass nun verstärkt synthetische Töne auftauchen? Seht ihr euch denn noch als Folkband?


Frank Machau: Was auch immer man von uns behaupten mag, Berechenbarkeit soll uns nicht zum Vorwurf gemacht werden. Es war an der Zeit für musikalische Veränderungen, also haben wir ein wenig mit den Möglichkeiten elektronischer Klangerzeugung experimentiert. Das erschien uns diesmal reizvoll, muß sich aber beim nächsten Album nicht notgedrungen wiederholen. Wir sind bestrebt, uns stilistisch alle Wege offen zu halten, während wir uns inhaltlich stets treu bleiben.

Uwe Nolte: Ich sah und sehe uns als ORPLID an - mehr nicht.

Beschäftigt man sich mit eurer Musik, stößt man immer wieder auf Texte von klassischen/ romantischen Autoren. Zufall oder doch die Faszination für diese Epochen? Sollte letzteres der Fall sein: welche Autoren - und warum gerade diese – faszinieren euch am meisten?


Uwe Nolte: Fasziniert bin ich eigentlich nur noch von der Freiheit, welche Individualität einräumen kann. Alles ist möglich - und nichts! Irgendwann sieht man die Welt mit eigenen Augen und dann benötigt man keine Idole mehr. Daß wir mit ORPLID hauptsächlich klassische Dichter vertonten ist dem traurigen Umstand geschuldet, daß es heutzutage - außer Uwe Lammla und Rolf Schilling - keine Dichter mehr in Deutschland gibt.

Uwe, was verstehst du genau unter Neuer Deutscher Dichtung? Ein Pendant zur Neuen Deutschen Welle?


Uwe Nolte: Es ist bekannt, daß Deutschland weltweit den Ruf genießt, das „Land der Dichter und Denker“ gewesen zu sein. Warum das nicht mehr so ist, kann sich jeder, der wachsam durchs Leben schreitet an zehn Fingern ablesen.

Dazu muß man allerdings mal den Kopf von der allzu bequemen Matrix-Matratze erheben und abseits von „Brot & Spielen“ die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind. Seit einigen Jahren gibt es nämlich intensivste Bestrebungen, vor allem seitens des Jahrhundertdichters Rolf Schilling, den man als den deutschen Genius schlechthin bezeichnen kann. Weil dieses dichterische Erwachen nach langer kultureller Lethargie bahnbrechend und unbedingt idenditätsstiftend wirkt, spreche ich keck von „Neuer Deutscher Dichtung“.

Zur „Neuen Deutschen Welle“ habe ich keinerlei Bezüge, außer, daß ich einmal für eine hasenzahnige, von 99 Luftballons lispelnde Unperson den Sicherheitsdienst übernahm, als sie in Halle gastierte. Ich habe wirklich viel an Lug, Trug und „Starallüren“ erlebt in dieser Schmuddel-Branche, aber dieser strubbelhaarige, auf der Bühne von Frieden und Liebe heuchelnde und hinter den Kulissen giftspritzende Mutterkuchen, bereitete mir einen sehr nervenzerkrümelten Abend. Ganz zu schweigen von dem frivolen Bananenröckchen…

Dagegen waren Motörhead Waisenknaben, obwohl ihr Gitarrist einen Konzertbesucher vor meinen Augen verprügelte und ich für Lemmy drei Spielautomaten in die Garderobe hieven durfte, die nach „Fisch und Koks“ stank. Wenigstens trug dieses erfrischend asoziale Flair noch dürftige Spuren von Menschlichkeit…

Frank Machau: Die Leute und die Medien wollen griffige Schlagwörter, die ihnen die Auseinandersetzung mit Phänomenen erleichtern. Der Begriff ist nur ein Zugeständnis an diese Tatsache.

Uwe, deine Texte bedienen sich oft Metaphern aus der Natur. Weshalb diese Natursprache? Und: Man kann annehmen, dass du viel in der Natur unterwegs bist?

Uwe Nolte: Die Natur ist der beste Lehrmeister; sie ist ausgewogen, erprobt, hat Bestand und funktioniert sinnvoll - im Gegensatz zur heutigen Gesellschaft. Nähme ich dort meine Bezüge her, würde ich mich zweifelsohne menschlicher Unbeständigkeit ausliefern.

Ansonsten wohne ich gewissermaßen im Grünen, in einem kleinen Holzhaus, verträume meine Sommertage am selbstgegrabenen Gartenteich und friere etwas im Winter. Meine Klause steht direkt an der Pforte zur Dölauer Heide. Freunde der Archäologie werden wissen, daß sich dort zahlreiche Hünengräber, Thingplätze und ein Menhir befinden; ein sehr sagenumwobener, essentieller und inspirierender Ort.

Warum habt ihr den Satyr als mythologisches Wesen in den Titel eurer neuen CD aufgenommen? Welche Eigenschaften schätzt ihr am Satyr?

Frank Machau: Die Fähigkeit, als Teil der Natur in eben jener aufzugehen. Das Leben keinem anderen als dem Selbstzweck unterzuordnen und schließlich im Angesicht des Todes mit der Welt versöhnt zu sein.

Uwe Nolte: Genauso ist es! Der Satyr symbolisiert Leidenschaft, Genuß und Raserei. Damals, als ich dieses Gedicht schrieb, war mir mein sinnliches Empfinden völlig abhanden gekommen. Ich war schrecklich müde und habe mich mit dem Gedicht etwas getröstet.

Das ist das Privileg des Künstlers: man gibt seinen Dämonen eine Gestalt und befreit sich damit von ihnen. Wenn andere Menschen auch noch Freude am Werk haben, dann ist das um so schöner!

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Orkus 2006

1. Nun erscheint "Sterbender Satyr", wie auch schon "Nächtliche Jünger", über Prophecy. Wieso habt ihr für das Album nicht auf NolteX zurückgegriffen, wie ursprünglich angekündigt?

Frank Machau: „Sterbender Satyr“ war ursprünglich als Titel für eine Mini-Lp geplant. Letztlich ist daraus ein Vollzeit-Album geworden, welches nun bei Prophecy erscheint, da es noch einen gültigen Vertrag gab. Kurz und gut: Die Zusammenarbeit mit Prophecy ermöglicht uns, ein breiteres Publikum anzusprechen als das auf anderen Wegen der Fall wäre.

Uwe Nolte: Prophecy leisten einfach zu großartige Arbeit, als das wir ihnen je untreu werden könnten! Unprofessionalität seitens eines Musikverlages, würde ich allerdings auch nicht mehr in meiner Nähe dulden.

2. Das Album ist überraschend "un-folkloristisch", weniger Gitarre, mehr Elektronik und es erinnert mich ein wenig an ganz frühen Dark Wave (im ursprünglichen Sinne) oder das italienische Projekt O Paradis. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Gab es bestimmt Einflüsse, die euch in diese Richtung lenkten?

Frank Machau: Uns war von Anfang an klar, daß das dritte Orplid-Album anders klingen sollte, als die Vorgänger. Das folkloristische Element war uns ohnehin nie vordergründig wichtig, sondern stellte sich bisher aufgrund der überwiegend akustischen Instrumentierung nahezu von selbst ein.

Der Vergleich mit frühem Dark Wave ist durchaus treffend. Ich muß bekennen, daß ich mit einem Großteil dieser Musik, bzw. mit dem, woraus sich später dieses Genre zu entwickeln begann, aufgewachsen bin und in den letzten Jahren wieder an einigem aus dieser Zeit großen Gefallen gefunden habe. So ließ es sich nicht verhindern, daß gewisse stilistische Momente sich auf dem neuen Album wiederfinden, mitunter wurden sie sogar bewußt eingeflochten.

Uwe Nolte: Die genannte Musikrichtung- und Gruppe kenne ich nicht. Prinzipiell begrüße ich aber jede Eigendynamik bei der Interpretation meiner sprachlichen Bilder, insofern ich mich in den Klängen wiederentdecke. Nur eins hasse ich auf den Tod: Stagnation! Da ich gerade ununterbrochen „Immortal“ höre, bin ich eigentlich ganz froh, daß Frank völlig andere Einflüsse hat. Seine Art mit Klängen zu malen, mag ich sehr…

3. Überhaupt: Dunkel ist es geworden das neue Werk, und ein wenig ... "trippig", wenn ich dieses Adjektiv mal so einfach benutzen darf. Ungewöhnlich schwermütig für ein Orplid-Album ...

Frank Machau: Ja, das kämpferische Element ist ein wenig verloren gegangen und hat einer etwas wehmütigen Stimmung Platz gemacht. Vielleicht liegt es daran, daß wir älter geworden sind, sich die Euphorie und Aufbruchstimmung der Anfangstage gelegt hat...

Ist es nicht der Traum eines jeden jungen Menschen, der in der Musik oder in der Kunst überhaupt seine ersten, noch etwas unsicheren Gehversuche unternimmt, die Welt durch sein Wirken im bescheidenen Rahmen mitzugestalten oder gar zu verändern? Und dann stellt er fest, daß sie sich trotz allem guten Willen kein Stück bewegen läßt und daß aller Beifall, ganz gleich woher er kommen mag, die große Enttäuschung darüber nicht wettmachen kann.

Wenn er daran nicht verzweifeln möchte, muß er nach anderen Ausdrucksformen suchen, bei denen ihm vielleicht auch der Beifall versagt bleibt, die aber seinem augenblicklichen Zustand eher entsprechen als sein vorheriges Schaffen. Ich denke allerdings, daß das Album bei aller Dunkelheit und Schwermut dennoch alles andere als kraftlos geworden ist.

4. Vielleicht liegt es auch dem "Sterbenden Satyr", der für mich ein Bild des Abschieds der Jugend hat ... gibt es ein lyrisches Konzept hinter dem Album?

Frank Machau: Das Album ist sicher geprägt vom Geist und von der Thematik des „Abschieds“. Aber der Abschied hat ja selten etwas Endgültiges, ihm folgt fast immer eine Ankunft an einem anderen, neuen Ort. Und nicht selten gibt es am Schluß eine Rückkehr zu vertrauten Plätzen, sozusagen eine „Heimkehr“. Die steht uns möglicherweise noch bevor...

Uwe Nolte: Ein konkretes Konzept gibt es nicht, aber im Großen und Ganzen geht es immer ums Allein- und Verlorensein in der Welt. Aber ich will in diesen, an sich schon viel zu trüben Februartagen nicht weiter darüber nachdenken, weil ich übermorgen - der Sonne entgegen - ans Rote Meer reise. Falls ich dort wegen der tagespolitischen Dissonanzen entführt und enthauptet werde, muß ich mir wenigstens keinen Kopf mehr ums untergehende Abendland machen: Alle Traurigkeit hat dann ein Ende! Es würde zudem gut zum Bild des „Sterbenden Satyrs“ passen, dessen im letzten Flötenspiel verhauchende Seele ja auch dem südwärts ziehenden Vogelzug folgt. Da sieht man mal wieder: Unsere Kunst ist authentisch!

5. Wie wurde diesmal Visuelles und Lyrisches verzahnt? Leider liegt mir nur das Cover vor ... ein Satyr mit Panflöte ...

Uwe Nolte: Ich habe wieder in gewohnter Weise einige Bilder fürs Album gemacht, die im direkten Kontext zu Text und Musik stehen. Das sind wir den Freunden unserer Kunst schuldig!

6. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Sandra Fink? Die Vertonung des Gedichts von Oda Schaefer hat ein wenig Diamanda-Galas-Charakter und ist wohl das bislang ungewöhnlichste Orplid Stück ...

Uwe Nolte: Ja, das Lied ist wirklich grandios und neben „Erster Frost“ mein Lieblingstitel! Allerdings ist die Dame in erster Linie eine vorzügliche Grafikerin und nicht schauspielerisch tätig.

Mich erfreut es außerordentlich, daß sie sich mit äußerst nuanciertem, künstlerischen Gespür weit in die eigenen matriarchalischen Kapillaren wagte, um die Tiefe des Textes gesanglich reflektieren zu können: das ist große Kunst! Der Kontakt kam über Claudia Arndt zustande, die ebenfalls in Leipzig Malerei studiert. Nachdem ich mit Andreas Ritter eines ihrer Konzerte besuchte, reifte in mir die Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit. Auf der Hermann Hesse-Liedersammlung, die wir über noltex.de veröffentlichen, hat sie für unser Projekt „BARDITUS“ zusammen mit Andreas Arndt wiederum etwas Unverwechselbares abgeliefert. Das Stück „Im Nebel“ wird Musikgeschichte schreiben.

7. Wieso habt ihr dieses Gedicht von Oda Schaefer gewählt und warum diese Autorin?

Uwe Nolte: „Die Seherin“ ist seit vielen Jahren eins meiner Herzensgedichte, weil es sehr spirituell ist. Das in ihm entworfene Frauenbild entspricht absolut meiner Vorstellung. Es stellt die im wirklichen Leben nicht immer einfach zu handhabende Spezies als großartiges, tief in die Geheimnisse des Seins eingeweihtes Wesen dar, voller archaischer Rätsel und unergründlicher Schönheit: ein lebendes Abbild der Göttin. Außerdem hat „Frauenlyrik“ ihren besonderen Reiz. Es müßte viel mehr Dichterinnen geben! Schön wäre es, wenn dieser ORPLID-Titel entsprechend dieses Wunsches etwas bewirken könnte. Ansonsten soll er einfach nur zum Tanzen und Träumen, Loslassen und Wiederfinden einladen…

8. Wer ist denn eure "Quellnymphe"? Claudia Arndt?

Frank Machau: Claudia hätte sicher eine großartige Quellnymphe abgegeben, aber sie ist es nicht. Die Sängerin heißt in diesem Fall Maren und hat diese Aufgabe auch hervorragend gemeistert (aus naheliegenden Gründen waren weder Uwe noch ich dazu in der Lage).

Uwe Nolte: Die „visuelle Quellnymphe“ heißt allerdings Eva-Maria und bereitete mir sehr inspirierende Momente. Es ist immer wieder wunderbar Menschen zu treffen, um ihnen später mein „inneres Bild“ von dieser Begegnung vorzuführen.

9. Zur Zeit scheint bei euch ja einiges zu passieren: Ein neues Orplid-Album, eure Aktivität mit NolteX und nun auch noch Franks Primus Inter Pares ... wie schafft ihr es all diese Projekte zeitlich unter einen Hut zu bringen?

Frank Machau: Ich habe eher das Gefühl, daß viel zu wenig passiert, die primus inter pares-Aufnahmen stammen weitestgehend aus dem Jahre 2002, seit dem letzten Orplid-Album sind auch schon wieder vier Jahre vergangen. Im Idealfall würde ich gern mindestens einmal im Jahr ein Album veröffentlichen, Ideen sind genügend da. Nur leider reicht die Zeit eben nicht aus.

Uwe Nolte: Ich lebe für, mit und wegen meiner Kunst. Sie ist trotz aller emotionalen Unterwanderungsversuche aus dem weiblichen Verehrer-Kreis meine Erstfrau: insofern stellt sich gar nicht die Frage, ob ich Zeit habe oder nicht, denn ich bin ihr bedingungslos ergeben.

10. Habt ihr euch für die Vinyl-Version von Sterbender Satyr etwas besonderes ausgedacht?

Uwe Nolte: Die Vinyl-Version wird mit Bonustiteln und von der Cd-Ausgabe abweichenden Grafiken ans Licht der Öffentlichkeit gelangen.

11. Wie weit sind denn die Frühen Veröffentlichungen gediehen? Wann kann man mit dieser Sammlung rechnen und was wird sich darauf alles befinden? Schließlich dürfte Heimkehr euer gesuchtestes Werk sein ...

Uwe Nolte: Wir planen die Herausgabe des ORPLID-Albums "Frühe Werke", das einen Querschnitt unserer anfänglichen Schaffensphase repräsentieren soll, für den Frühsommer 2006 ein. Darauf werden sich einige Titel vom Album „Heimkehr“ sowie rare Kompilations-Stücke befinden. Das Material liegt fertig in der Schublade und wartet darauf unters Volk zu kommen.

12. Wie seht ihr das vor nicht allzu langem veröffentlichte Werk "Looking for Europe"? Aufklärung, Kommerzialisierung, der Tod eines Genre oder ein längst fälliges Resumée?

Frank Machau: Es ist nichts weiter als ein unterhaltsames Buch über eine Szene, in der es mittlerweile (oder schon seit eh und je) viel zu wenige neue Ideen, ernstzunehmende Protagonisten, jugendliche Enthusiasten und attraktive Frauen gibt. Die Autoren haben sich beim Schreiben letztlich mehr Mühe gegeben als viele der vertretenen Musiker mit ihrem Repertoire.

Uwe Nolte: Ich habe das Buch selbst noch nicht in den Händen gehabt, aber prinzipiell respektiere und achte ich immer die Arbeit anderer Leute, wenn sie mit Leidenschaft und Fleiß gemacht ist. Dabei spielt es sogar keine Rolle, ob sie mir persönlich gefällt oder nicht. Welche Wirkung dieses Buch hat, dessen Erscheinen ich nur begrüßen kann, muß letztlich der einzelne Leser für sich entscheiden.

13. Habt ihr das Gefühl, dass sich inzwischen die einstige Aufregung um das Genre NeoFolk gelegt hat? Ihr damit weniger "unter Beobachtung" steht ...


Frank Machau: Das wäre dann möglicherweise ein weiterer Beweis dafür, daß diese Genre an Bedeutung verloren hat. Wen wundert das auch in einer Zeit, in der Provokation und das alberne Spielchen mit gesellschaftlichen Tabus mittlerweile zum Tagesgeschäft der Unterhaltungsindustrie gehören.

Uwe Nolte: Da ich uns nie als Bestandteil irgendeiner Szene sah, ging mir das ganze kopflastige, auf halbherzigen Recherchen beruhende Pennäler-Gefasel einiger selbsternannter „Kritiker“ seit jeher am Arsch vorbei. Außerdem bin ich charakterlich so veranlagt, daß ich mit wachsendem Gegenwind stärker werde. Uns geht es nur um unsere Kunst – mehr nicht! Und wenn die jemandem nicht zusagt, kann er doch einfach auf den Erwerb unserer Veröffentlichungen verzichten, schmollend am Daumen nuckeln oder sich anderweitig entsprechend seiner Talente beschäftigen. Es gibt unendlich viele Formen der Selbstverwirklichung. Die Kunst ist eine Welt der Vielfalt – und das soll sie bitteschön auch bleiben!

14. Was versteht ihr unter dem Begriff "Neue Deutsche Dichtung", der ihr auch andere Literaten zuordnet, die ihr über euren Verlag publiziert? Gibt es eine Art Manifest, einen roter Faden, Gemeinsamkeiten?

Uwe Nolte: Da es nach langer Lyrik-Lethargie wieder erste Regungen im ehemaligen „Land der Dichter und Denker“ gibt, wurde dieses Schlagwort als Überbegriff verwendet. Besonders der Kreis um Rolf Schilling, den ich immer wieder als „gegenwärtigen Goethe“ bezeichne, hat bezüglich des dichterischen Erwachens bahnbrechende Impulse ausgesendet. Es gibt kein wirkliches Manifest, außer daß dies eben wirklich Dichtung im eigentlichen Sinne ist: spirituell, ästhetisch, voll bildhafter Magie!

15. Was ist aus Uwes und Claudias Kinderbuchprojekt geworden?

Uwe Nolte: Wir haben es leider nur im engsten Kreis publiziert, aber zusammen mit Andreas Arndt und UNTERM REGENBOGEN eine Platte dazu aufgenommen. Wer neugierig ist, kann sich ja mal etwas auf noltex.de umschauen, denn dort gibt es sogar Hörbeispiele dazu. Wann genau wir dieses Material veröffentlichen, steht noch in den Sternen.

16. Was kommt nun als nächstes? Wie wird es mit Sonnentau, Rückgrat und Barditus weitergehen? Was könnt ihr schon über die Hermann Hesse Compilation verraten?

Frank Machau: Nachdem nun endlich das von mir schon vor längerer Zeit fertiggestellte Album „Gerda“ unter dem Projektnamen primus inter pares bei Eis&Licht veröffentlicht worden ist, arbeite ich an weiteren Stücken für besagtes Projekt. Gleichzeitig muß natürlich die Arbeit mit Orplid weitergehen, damit nicht wieder vier Jahre bis zur nächsten Veröffentlichung verstreichen. Um die Verwirrung des Publikums noch voranzutreiben, werde ich mich überdies bei Barditus einschmuggeln (sofern Uwe und Andreas mich gewähren lassen).

Uwe Nolte: (Ja natürlich, Frank, bist Du dabei, aber bedenke: Plattenverträge werden bei uns nach guter alter MANOWAR-Schule nur mit dem eigenen Blut unterschrieben.) Wir arbeiten bei NolteX mit Hochdruck an allen Studio-Projekten sowie einem Bühnenprogramm.

Die Hermann Hesse-Liedersammlung steht kurz vor der Veröffentlichung. Sie wird dem Hörer zahlreiche Überraschungen bieten, auch wenn der Weg zum Werk diesmal sehr dornenreich war. Unter anderem wirkten Künstler aus Indien, Norwegen, England und den USA mit, was der Veröffentlichung ein wirklich multikulturelles und somit klanglich vielseitiges Flair verleiht. Dieses Lieder-Denkmal zu Ehren Hesses wird – und ich wiederhole mich gerne – Musikgeschichte schreiben!


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obliveon.de 2006

Zwischen „Nächtliche Jünger“ und „Sterbender Satyr“ liegen drei Jahre. Wie kam dieser lange Zeitraum zustande?

Uwe Nolte: Kostbarer Wein muß eben länger reifen und wir wollten unseren Hörern nur das Beste kredenzen! Langweiligen Mumpitz produzieren andere zur Genüge. Man muß zuhören können, um uns zu verstehen: wir laden die Freunde unserer Kunst auf eine Reise in die Tiefen ihrer Seele ein. Wer zu bequem ist mitzugehen, der soll auf seinem kuscheligen Sofa sitzenbleiben, Tarnfleck-TV schauen, Runen-Chips naschen und weiterhin ein berechenbarer Klischeebürger sein.

Frank Machau: Nachdem „Nächtliche Jünger“ fertiggestellt war, bin ich eine Zeitlang etwas ratlos gewesen, wie es weitergehen sollte. Mir war ziemlich klar, was ich nicht wollte, die Vorstellung hingegen, wie ein drittes Orplid-Album klingen könnte, mußte sich erst noch entwickeln. Durch klangliche Experimente oder auch Spielereien habe ich mich an den gegenwärtigen Stil herangetastet. Dabei ist Material entstanden, welches ohne Schwierigkeiten drei Alben füllen könnte. Wir haben also die Zeit durchaus intensiv genutzt.

Ein „Satyr“ ist ein Waldgeist, und laut Wikipedia ein „mutwilliger Geselle von robuster, ungeschlachter Gestalt, mit struppigem Haar, stumpfer, aufgeworfener Nase, zugespitzten Ohren und einem Ziegenschwänzchen oder kleinen Pferdeschweif“. In welchem Zusammenhang steht diese Definition zum Titel des Albums und seinen Liedern und Texten?

Uwe Nolte: Wie bei jedem großen Kunstwerk sind vielerlei Auslegungen möglich. Es liegt im Auge des Betrachters, eigene Rückschlüsse zu ziehen. Es könnte um den Verlust von Liebe und sinnlichem Empfinden beim Individuum oder allgemein in der Gesellschaft gehen, aber es kann auch nur ein melancholisches Abschiedsgedicht voller herbstlicher Sprachbilder sein. Wichtig erscheint mir nur, daß das Endresultat ästhetisch wirkt.

Musikalisch – und auch im Interview mit dem „Black“ – distanzieren Orplid und Du (Uwe) sich mittlerweile ein wenig vom Neofolk und somit auch von der Vorreiterrolle, die Ihr in Deutschland damit eingenommen habt. Warum? (Dass musikalisch mit „Sterbender Satyr“ kaum noch Gemeinsamkeiten zum Neofolk gegeben sind, ist offensichtlich!)

Uwe Nolte: Du sagst es: „Vorreiterrolle“! Wir sind schon längst dabei neue künstlerische Horizonte zu erobern. Darum ging es uns schon immer! Irgendwo „dabei zu sein“, war nie unser Ziel. Ja, was heißt distanzieren? Wenn ich mich recht entsinne, stellte ich lediglich fest, daß wir mit nichts etwas zu tun haben, außer mit uns selbst.

Frank Machau: Besagtes Genre lebte seit jeher mehr von billiger Provokation als von musikalischer Innovation ( Ausnahmen möchte ich nicht ausschließen, ebensowenig will ich das Talent einiger weniger Künstler in Abrede stellen, auf originelle Art zu provozieren). Die ohnehin schon recht dünne Substanz wurde durch bedingungsloses Abkupfern bei „Szene“-Größen noch zusätzlich verwässert. Das allein wäre nicht schlimm, verhält es sich doch bei anderen Jugendkulturen ähnlich, verträgt sich allerdings nicht mit dem elitären Gestus der angesprochenen Szene.

Unsere „Vorreiterrolle“ scheint sich leider auch nur auf den Umstand zu reduzieren, daß nach uns dann Formationen kamen, die wiederum uns nachäfften, von einer wirklichen künstlerischen Befruchtung habe ich nichts bemerkt.

Eure ersten Erfolge habt Ihr vornehmlich in der deutschen Neofolk feiern können, wobei mir auffällt, dass nicht die meisten Bands dieses Genres aus den sogenannten neuen Bundesländern kommen, sondern auch das Netzwerk und die Unterstützung innerhalb dieses Genres sehr viel grösser ist als in anderen „Szenen“? Wie erklärt sich sowohl diese regionale Ballung, aber dieser Gedanke des engen Zusammenhalts?

Frank Machau: Ist mir bisher nicht aufgefallen. Vielleicht kann man dieses Phänomen wie viele andere spezifisch ostdeutsche auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit zurückführen... oder auf durch die Mitgliedschaft in Kinder- und Jugendorganisationen bedingte Traumata. Nein, ich denke eher nicht. Überhaupt paßt diese ganze Szene eher in den dekadenten Westen.

Der Neofolk hat durch die Veröffentlichung von „Looking For Europe“ mehr Aufmerksamkeit bekommen. Spürt ihr das ebenfalls? Wie steht ihr zu dieser, wenn auch eingeschränkten, „Popularisierung“ des Genres?

Uwe Nolte: „Popularisierung“ kann ganz nett sein, aber es ist ja landläufig bekannt, daß damit eine schleichende Assimilierung jeder anfangs ehrlich gemeinten „Gegenbewegung“ einhergeht. Wir ziehen unseren Stiefel durch und folgen keinen Moden, mehr nicht!

Frank Machau: Ich sehe darin weniger eine Popularisierung als einen Abgesang auf das Genre.

Du, Uwe, bist nicht nur musikalisch künstlerisch aktiv, sondern auch als Schauspieler und auch als Maler. Präferierst Du eine dieser künstlerischen Ausdrucksformen? Wenn ja, warum diese Kunstform?

Uwe Nolte: Das kann ich nicht sagen, denn so richtig identifiziere ich mich mit keiner einzigen der genannten Rollen! Goethe sah sich ja auch nicht als Dichter, sondern als Staatsmann oder Gelehrter. Ich will einfach meinen irdischen Kurzurlaub recht farbig gestalten.

Wo seht Ihr Orplid musikalisch anno 2006? Ein Stück wie „Sang am Abend“ weist meines Erachtens musikalisch doch deutliche Referenzen an frühe New Order oder späte Joy Division auf, und auch Primus Inter Pares, Franks Nebenprojekt, schlägt musikalisch eher in diese Kerbe. Ist dies eine musikalische Weiterentwicklung, oder eine Rückbesinnung auf musikalische Wurzeln, wohl wissend, dass zumindest Du, Uwe, keinen Hehl aus Deiner Metal-Vergangenheit machst.

Uwe Nolte: Was heißt Vergangenheit? Echten Stahl kann der Zahn der Zeit nicht einfach so hinweg nagen. Wer mal ein Ohr für unser Projekt BARDITUS riskiert, der wird erfahren was ich meine!

Frank Machau: Den eigenen musikalischen Wurzeln entkommt man nie so ganz, mal sind sie mehr, mal weniger präsent. Ich muß zugeben, mich im Augenblick in einer eher nostalgischen Stimmung zu befinden, wahrscheinlich, weil mir die Gegenwart nur sehr wenige Identifizierungsmöglichkeiten bietet. Doch hängt das Herz auch noch so sehr an der Vergangenheit, der Blick ist klar in die Zukunft gerichtet. Wir sind immer bestrebt, aus dem, was wir einmal geliebt haben, etwas Neues und schließlich Unzeitliches oder im Idealfall gar Zeitloses zu erschaffen.

Denkst Du, dass eine romantische Verklärtheit, wie sie dem Neofolk zugerechnet wird, überhaupt zeitgemäss ist oder Sehnsüchte und Bedürfnisse weckt, die unsere heutige Gesellschaft und Art des Zusammenlebens nicht mehr zu befriedigen in der Lage ist?

Uwe Nolte: Was zeitgemäß ist oder nicht interessierte uns nie! Aber insofern sind wir vielleicht zeitgemäßer als der ganze andere Medienplastik-Plunder, mit dem das Konsumentenvolk per Glotze verblendet wird. Denn es wird Zeit für Veränderungen!

Frank Machau: Unsere „heutige Gesellschaft“ ist viel zu sehr auf die Befriedigung des individuellen Bedürfnisses ausgerichtet. Was fehlt sind Pflichtgefühl und Verantwortungsbewußtsein.

Gibt es für „Sterbender Satyr“ die Texte betreffend eine Art übergeordnetes Thema, ein roter Faden, der die Songs zusammenhält? Woher stammt die lyrische Inspiration für das Album?

Uwe Nolte: Einen roten Faden vermag ich beim besten Willen nicht zu benennen. Den muß der aufmerksame Hörer entdecken! Die Zerrissenheit des menschlichen Herzens, ist wohl ehrlich gesagt - wie bei allen anderen Künstlern auch - unser ergiebigster Inspirationsquell.

Stilmittel für Orplid oder auch Barditus war und ist die Vertonung von überlieferten Gedichten. Was kann man aus diesen überlieferten Gedichten der Vergangenheit für die Gegenwart lernen?

Uwe Nolte: Es sind aus meiner Sicht zeitlose, sehr essentielle Gedichte, die wir mit unseren Projekten vertonen. Insofern hätten sie auch heutzutage geschrieben werden können. Der Haken an der Sache ist, daß es eben in der Gegenwart keine wirklichen Dichter gibt. Deshalb müssen wir auf älteres Material zurückgreifen. Wir haben also mit einer Glorifizierung vergangener Epochen nichts am Hut und wenn es bei uns was zu lernen gibt, dann lautet das Motto: „Werde, der du bist!“

Ein Stück wie „Heimkehr“ hat natürlich auch etwas mit „Heimat“ oder „Zuhause“ zu tun. Wie definierst Du für Dich den Begriff der Heimat, aber auch des Zuhauses?

Uwe Nolte: Heimat ist der Ort, wo die Bilder meiner Erinnerungen am lebendigsten leuchten.

Frank Machau: Es gibt für mich nur noch wenige Dinge, bei denen sich ein Heimatgefühl einstellt. Und wenn wir alle nicht sehr aufpassen, wird in naher Zukunft ein großer Begriff wie „Heimkehr“ nichts mehr weiter beschreiben als den erbärmlichen Rückzug in die eigene Innerlichkeit.

Wie wichtig ist für Orplid die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern bei Orplid? Welchen Einfluss nehmen die teilnehmenden Künstler auf die Songs und die Texte?

Uwe Nolte: Die Zusammenarbeit mit anderen Leuten kann nur bereichernd ein, wie der Beitrag von Sandra Fink eindeutig unter Beweis stellt. Was Komposition und Inhalt angeht, so bleibt alle Entscheidungsgewalt bei Frank und mir.

Frank Machau: Dennoch verleihen unsere musikalischen Gäste den Stücken immer einen eigenen und unverwechselbaren Charakter.

In wie weit ist ein Stück wie „Sang am Abend“ auch richtungsweisend für die musikalische Zukunft der Band?

Uwe Nolte: Das steht in den Sternen, was letztlich das Spannende an Kunst ist!

Frank Machau: Das wird sich in der Tat erst zeigen. Mag sein, daß wir mit einem gewissen (zeitlichen) Abstand feststellen, daß dieses Lied für den Moment sehr reizvoll war, aber nicht für ein gesamtes Konzept herzuhalten vermag. Genau so gut möglich ist aber, daß wir bei weiteren Veröffentlichungen gerade an Charakter und Stimmung jenes Stückes anknüpfen werden.

In wie weit werden Orplid auch ausserhalb Deutschlands wahrgenommen? Es hat mich seinerzeit sehr erstaunt, als ich in Holland in einer Diskothek im Rahmen des „Summer Darkness“-Festivals Forseti zu hören bekam.

Frank Machau: Es gibt durchaus ein Publikum außerhalb Deutschlands, allerdings sind der Verbreitung unserer Musik im Ausland durch die verwendete Muttersprache natürliche Grenzen gesetzt. Die Hörer dort müssen also schon zumindest dem Klang der deutschen Sprache ein wenig zugeneigt sein ( und das ist etwas anderes als die Begeisterung für über-teutonische Sprachmuster, wie sie sich Rammstein über den Umweg Jugoslawien angeeignet haben).
Ansonsten gilt, wie in jedem Fall, Musik kennt keine Grenzen...

Plant Ihr für „Sterbender Satyr“ eine Tournee oder diverse Einzelkonzerte?

Uwe Nolte: Wir planen ein NolteX-Programm. Wer mehr dazu erfahren will, sollte einfach öfter mal bei uns vorbeischauen: wir „liefern“ gewiß bald Termine diesbezüglich.

Kaum eine Band in der populären Musik, die sich mittlerweile dem visuellen Aspekt durch Veröffentlichungen von DVDs und Videos verschliesst. Gibt es auch für Orplid Pläne in diese Richtung?

Uwe Nolte: Klar, wenn Prophecy die Produktionskosten übernehmen!!! Also ich bin für jedes Medium offen.

Frank Machau: Nur müßte es schnell gehen, bevor unsere Gesichter und Körper allzu deutlich vom westeuropäischen Wohlstand gezeichnet sind.

Über „Noltex“ veröffentlichst Du Deine ehemaligen Projekte, aber auch zeitgemässe Nebenprojekte wie Barditus oder den absolut grandiosen „Eichendorff“-Sampler. Welche weiteren Projekte stehen an zur Veröffentlichung und was führte letzten Endes zur Gründung von „Noltex“?

Uwe Nolte: NolteX haben wir ausschließlich zur Eigeninspiration ins Leben gerufen. Man kann aus einem völlig anderen Blickwinkel Tonträger konzipieren, aufnehmen und produzieren. Außerdem wollte ich die Darstellung unseres Künstlerkreises nicht mehr anderen überlassen, die ihr Dasein in Ermangelung einer eigenen Identität mit unserem Namen schmücken. Als nächstes stehen die Hermann Hesse-Liedersammlung und ORPLIDs „Frühe Werke“ ins Haus.

Über „Noltex“ wird weiteren, wie ich vermute, befreundeten Künstlern ein Forum geboten und befasst man sich intensiver mit der Homepage, so gewinnt man fast den Eindruck, bei „Noltex“ handele es sich um eine Künstlerkommune. Täuscht dieser (mein) Eindruck?

Uwe Nolte: Nein, der Eindruck ist durchaus richtig. Wir wollen ein Podium für Kunstschaffende & Kunstfreunde sein, die ein ähnliches ästhetisches Empfinden wie wir an den Tag legen. Eine grünende Insel sind wir innerhalb vom vorgekauten Medien-Morast. Wer vom kulturellen Einheitsbrei genug hat, ist herzlich eingeladen uns zu besuchen!

Werden weitere Veröffentlichungen mit Sonnentau und Barditus folgen? Werden Rückgrat und Scardanelli ebenfalls wiederveröffentlicht werden? Wie siehst Du, Uwe, aus heutiger Sicht diese beiden Projekte?

Uwe Nolte: Ja, natürlich werden wir mit SONNENTAU und BARDITUS weiter arbeiten: es stehen schon wieder neue Veröffentlichungen ins NolteX-Haus. Auch die älteren Projekte haben durchaus ihre Berechtigung, denn es waren Wegmarken auf unserer künstlerischen Entwicklung. RÜCKGRAT, das Parallelprojekt zu ORPLID, kann man über noltex.de belauschen und erwerben.

Derzeit ist nur eine Internetpräsenz Orplids über www.noltex.de gegeben, nicht mehr über www.orplid.de. Wird es in absehbarer Zeit wieder eine eigene Orplid-Seite geben?

Uwe Nolte: Ja, bald sogar! Sie war hoffnungslos veraltet und ich habe deswegen eine neue Version gebastelt, auf die ich jederzeit Zugriff habe, damit die Freunde unserer Kunst immer auf dem neuesten Stand sind.

Manowar werden selbst in der Metalszene mittlerweile nur noch mitleidig belächelt und da ich diverse Male die Möglichkeit hatte, die Band selbst zu treffen, hat sich auch meine Meinung hinsichtlich der Charaktere der Band, aber auch der Musik gegenüber relativiert, obwohl ich früher beinharter Fan der Band war und diverse Konzerte gesehen habe. Was fasziniert Dich nach wie vor an der Band?

Uwe Nolte: Zuallererst muß ich feststellen, daß ich von niemandem fasziniert bin, außer von mir selbst. Das schließt sämtliche Fehler, Abgründe und Zweifel ein. MANOWARS Schlachthymnen sind ein Teil meiner frühen Jugend, den ich unmöglich verleugnen will! Sie sangen von Odin, Hexen und Kriegern, Raubfahrten, Abenteuern und Kriegszügen, ganz wie es meinem weltabgewandten Phantasieland entsprach. Jedoch mußte ich auch schon hinter den Kulissen eines Konzertes dem Silberblick von Eric Adams standhalten, ohne in Gelächter ausbrechen zu dürfen. Das war wirklich „heavy“! Aber man mag reden wie man will, die ziehen ihr Ding bedingungslos, mit oder ohne Peinlichkeiten durch - und das ist es was zählt!

Noch ein letztes Wort von Dir an die Fans und unsere Leserschaft?

Wir wünschen Euch viel Hörfreude und inspirierende Momente mit unserem aktuellen Album. Laßt euch davon in euch selbst entführen!

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alternativmusik.de 2006

Ihr aktuelles Album Sterbender Satyr ist nun schon eine Weile auf dem Markt und wurde weitestgehend sehr gut angenommen und verdientermaßen gelobt. Einige Wochen später war es nun mal an der Zeit, offene Fragen zum Album zu klären, die Entwicklungen bei Orplid zu beleuchten und zu schauen, was es noch zu erwarten gibt. Zu diesem Zweck beantwortete Uwe Nolte von Orplid die offenen Fragen, die es in diesem Interview nachzulesen gibt.

Wie würdet ihr eure bisherige Laufbahn bis zum sterbenden Satyr charakterisieren?

Wir haben uns jenseits von heutiger Mode und Oberflächlichkeit kontinuierlich weiterentwickelt, ohne uns aufs Neue zu kopieren. Glücklicherweise haben wir mit Prophecy einen Verlag an der Hand, der auch Mut zu Experimenten hat, denn „einfach“ ist „Sterbender Satyr“ gewiß nicht!

Das aktuelle Album ist nun schon eine Weile auf dem Markt. Wie fielen bisher die Reaktionen aus und wie wurde es allgemein angenommen? Wie bewertet ihr die bisherigen Reaktionen?

Die Kritiken zum Werk sollten nicht der eigentliche Maßstab der Kunst sein: insofern verfolgen wir die Reaktionen kaum. Schön ist es, wenn unser Werk dem Einen gefällt und genausogut ist es in Ordnung, wenn ein Anderer damit unzufrieden ist: Kunst soll bewegen, mehr nicht.

Zum Albumtitel an sich: Was bezeichnet er, worauf nimmt er Bezug?

Es könnte bei dem Titellied um den Verlust an Sinnlichkeit in der Welt, bzw. beim Individuum gehen, aber es könnte auch eine rein naturlyrische Impression sein, die keinen direkten Sinn hat, sondern nur auf den Leser, bzw. Hörer wirken soll.

Wie würdet ihr die Musik auf dem Album selber beschreiben bzw. charakterisieren? In der Promo-Beschreibung wird bewusst vom Begriff „Neofolk“ Abstand genommen. Wie ist diese Abgrenzung zu verstehen?

Wir grenzen uns von nichts und niemandem ab. Die Leute, die uns wegen der früheren Folklastigkeit mochten, sollten einfach aus Anstand darauf hingewiesen werden, daß die Gitarre diesmal weniger im Vordergrund steht, damit sie nicht enttäuscht werden, falls sie die Katze im Sack kaufen. Wie würden wir uns bezeichnen: eventuell „Lyrische Klangkunst“?

Ihr sprecht bei eurem Schaffen von „Neuer Deutscher Dichtung“. Wie kam es zu eben dieser Bezeichnung?

Sie klingt gut und paßt zu uns!

Dass das folgende Thema ein alter Hut und prinzipiell inzwischen eher ermüdend wirkt, ist mir bewusst, dennoch komme ich um eine Frage zu dieser Thematik nicht umhin… Durch die Bezeichnung „Neue Deutsche Dichtung“ betont ihr bewusst eure nationale Herkunft und eine Art kulturelle Identität. Mit einer solchen Entscheidung eckt man heutzutage vieler Orten an. Wie bewertet ihr diese Tatsache und wie geht ihr damit um, wenn sich durch diese Bezeichnung eures Schaffens jemand zu voreiligen Schlüssen verleiten lässt, was euch und etwaige Gesinnungen betrifft?

Es liegt nicht in unserer Absicht zu provozieren oder irgendwo anzuecken. Wir wollen nur Kunst machen! Wenn jemand uns zu kritisieren hat, soll er seine Beschwerde möglichst unleserlich mit Bleistift auf einen 500 Euro Geldschein schreiben und uns zukommen lassen.

Die Dichtung zieht sich wie ein roter Faden durch euer Werk, was auch immer wieder dazu führt, dass Texte klassischer Dichter vertont werden. Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Autoren und Texte aus, die ihr vertont bzw. interpretiert? Wie kam es dabei auf dem aktuellen Werk zur Wahl von Gottfried Benn und Oda Schaefer?

Die ausgewählten Gedichte müssen von der Essenz her gut zu ORPLID passen. Außerdem finde ich die Dichtung von Frauen immer förderungs- und vertonungswert, weil sie viel zu selten ist. Schon oft haben wir das innerhalb unseres Künstlerkreises unter Beweis gestellt!

Bei der Vertonung von „Die Seherin“ unterstützt euch Sandra Fink, während im „Gesang der Quellnymphe“ mit Maren Z. eine weitere Frau zu hören ist. Wie kam es zu den Kontakten und den daraus resultierenden Zusammenarbeiten?

Sandra lernte ich in Leipzig kennen. Nachdem ich mit Andreas Ritter eines ihrer Konzerte besuchte, reifte in mir die Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit. Sie leistet großartige Arbeit und wir werden bei NolteX noch oft mit ihr kooperieren. Maren Z. kommt aus Dresden und der Kontakt kam über Frank zustande. Auch sie verstand es, der Figur der Quellnymphe Eigenleben einzuhauchen…

Wo kommt die Figur der Quellnymphe her?

Es ist eine Gestalt aus der germanischen Mythologie, die, wie der Name schon sagt, in Quellen haust. Sie ist praktisch die verkörperte Seele des Wassers.

Wie kommt es, dass auf dem aktuellen Werk verstärkt auf Elektronik gesetzt wird?

Das hat sich spontan ergeben und paßt ganz gut zu den Worten. Man höre sich „Erster Frost“ an und achte auf die klirrenden Klänge: besser kann man nicht mit Tönen malen!

Welche Einflüsse würdet ihr bei eurer Musik nennen – sowohl auf „Sterbender Satyr“ als auch auf das gesamte Schaffen bezogen?

Also ich höre ununterbrochen Immortal & Co., Frank dagegen bevorzugt ruhige Sachen, wie Scott Walker zum Beispiel. Ich weiß nicht ob man unbedingt bei uns direkte Einflüsse geltend, bzw. ausfindig machen kann.

Der Titel „Amils Abendgebet“ ist Julius Zeyer gewidmet. Wer ist dieser Julius Zeyer und wieso wurde gerade ihm ein Stück gewidmet?

Julius Zeyer ist ein slowakischer Schriftsteller, den ich sehr schätze! Sein Buch „Die treue Freundschaft der Ritter Amis und Amil“ hat mich in früher Jugend sehr beeinflußt. Die Widmung soll ein Dank an diesen wundervollen Mann sein.

Gibt es ein bestimmtes Ziel, was ihr euch mit „Sterbender Satyr“ gesetzt habt?

Ein direktes Ziel gibt es nicht: wir wollten wie immer ehrliche und zeitlose Kunst erstellen.

Nun ein wenig weg vom Album an sich, hin zu dem, was ihr neben Orplid veröffentlicht… Wenn man eure Homepages so betrachtet, findet sich dort eine große Palette verschiedenster künstlerischer Projekte, von denen bei auch nicht alle mit Musik zu tun haben. Wie schafft ihr es, all diese Projekte unter einen Hut zu bekommen? Welche Projekte sind da besonders hervorzuheben?

Alles was bei uns entsteht, hat seine Berechtigung. Hervorheben kann man da nichts. Ohne das eine würde es das andere evtl. gar nicht geben. Meine Freunde und ich leben für und durch die Kunst und da kommt mit der Zeit eben einiges an Material zusammen.

Ist damit zu rechnen, dass es in naher Zukunft eine Live-Umsetzung des Albums geben wird? Gibt es da irgendwelche Pläne?

Ja, sicherlich betreten wir bald die Bühne. Näheres erfährt man auf www.noltex.de in Kürze.

Wie sehen die Pläne Orplids für die nahe und ferne Zukunft allgemein aus?

Wir kehren irgendwann Deutschland den Rücken zu und fliegen gen Orplid, dem fernen Eiland…um wenigstens dort eine Heimat zu finden. Vorher nehmen wir aber sicherlich noch ein paar schöne Lieder auf. Wer weiß, wie alles kommen wird?

Nun der klassische Abschluss… Gibt es noch irgendwas, was ich nicht erfragt habe, ihr aber unbedingt noch sagen wollt?

Wir grüßen die Freigeist-Piraten aller Weltmeere, die unter eigener Flagge fahren: gemeinsam müssen wir baldigst die morsche Zeitgeist-Arche entern, denn sie gluckert bald ab…Schiff Ahoi!

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Wolfszeit 2003

Zum Geleit das Obligate: Wer und was ist Orplid, was war vorher, was wird noch kommen?

Zur Zeit der touristisch erschlossenen Händelfestspiele, im Sommer des Jahres 1996 wurde mit der Fertigstellung des ersten, nie veröffentlichten Liedes „Waldweben“ der Grundstein von ORPLID gelegt. Frank Machau und Uwe Nolte, zwei etwas grimmig dreinschauende junge Männer ohne ausgeprägte soziale Begabung, benannten nach einem Gedicht Eduard Mörikes ihr selbst erschaffenes geistiges Eiland. Mehr und mehr wurde es zu ihrer eigentlichen Heimstatt.

Schritt um Schritt entfernten sie sich aus menschlicher Sicht von früheren, härteren Musikprojekten. Was wird noch kommen? Hoffentlich noch viele Veröffentlichungen, die unsere werte Hörerschaft bereichern.

Viele Stimmen im Blätterwald bezeichneten Euer zweites, kürzlich veröffentlichtes Album „Nächtliche Jünger„ als ruhiger und weniger „bombastisch„ oder „martialisch„ als die Vorgänger. Ich würde das neue Werk eher als feinfühliger und ausgereifter, zeitweise gar als träumerisch und meditativ bezeichnen. Wie verlief euer Weg zwischen den beiden Langspielplatten? Welche tieferen Kräfte wirkten hinter „Nächtliche Jünger„?

Frank und mich, so verschieden wir auch sind, verbindet seit nunmehr zehn Jahren ein schöpferisches Band. Oft genug schritten wir in diesem Zeitraum über eigene Leichen, um uns wieder lebendiger als zuvor zu begegnen. Nachdem wir geraume Zeit wie Skylla und Charybde beisammen in Halle hausten und niemandem Einlaß in unser inneres Reich gewährten, begannen wir uns aus Mangel an Opfern fast selber aufzufressen.

Um den schöpferischen Kannibalismus auf ein Mindestmaß zu beschränken, zogen wir es vor, den Wohnort zu wechseln. Frank ging nach Dresden, währenddessen ich eine Blockhütte in der Dölauer Heide unter Beschlag nahm und mich seither in selbst verordneter Askese übe.

Das die aktuelle Veröffentlichung etwas melancholischer als alle Vorgänger ausfiel, mag in dem Umstand begründet liegen, daß die entsprechende Schaffensphase den endgültigen Abschied von Jugend und Unbeschwertheit besiegelte.

Wie wird die Musik von Orplid geboren, wie der Text? Aus welchen Quellen der Inspiration schöpft ihr?

Jeder von uns erarbeitet seinerseits Fragmente, die wir später mehr oder weniger erfolgreich zusammenfügen. Ich pflege immer zu sagen: „Sitzen wir zwei beisammen, dann ist ein Dritter im Raum, der unser Werk vollendet.“ Inspirierende Quellen waren für mich in den vergangenen Tagen die Leidenschaft der Spanienlieder von Ernst Busch sowie die in mir fortlebende Farbenpracht meines letzten Tauchausfluges in afrikanische Gefilde. Unabhängig vom Geschehen der vergangenen Wochen wird für mich immer Franks Schaffen inspirierende Kraft besitzen und die Zusammenarbeit mit ihm eine Herausforderung sein!

Du schienst eine Faszination für Engel, besonders die gefallenen, zu hegen. Auf Eurem ersten Album hast Du Luzifer einen Text gewidmet, nun ist es der Erzengel Michael. Worin besteht Dein Interesse an diesen archetypischen Figuren?

Wer hätte nicht gerne Flügel, könnte aus eigener Kraft fliegen, schattenwärts stürmen, um den nächtlichen Urgrund seiner Seele mit Feuer und Schwert, Seite an Seite mit seinem archetypischen Waffenbruder vor lästigen Eindringlingen zu verteidigen?

Ein besonderes Interesse an archetypischen Gestalten kann ich mir allerdings nicht attestieren. So wie ein instinktiv schaffender Maler seinen Pinsel über die farbenübersäte Palette gleiten läßt, um Gevatter Zufall über einen wirklich evokativen Farbton entscheiden zu lassen, kommen mir gewisse Themen in den Sinn. Genial bin ich aber in dieser Hinsicht sicherlich nicht zu nennen!

Häufiges Thema der Texte ist die Natur, ihre Schönheit, Wandelbarkeit und die ihr innewohnende Vergänglichkeit. Wie tief bist Du mit der Natur um Dich herum verwurzelt? Findest Du Heimat in ihr? Oder gar Gott?

Ich bin ich nicht tiefer als jeder andere Mitteleuropäer mit der Natur verwurzelt, nur habe ich möglicherweise die eine oder andere Wurzel in mir freigelegt, indem ich mit germanischem Besenschwung den zeitgeistigen Schutt etwas beiseite fegte.

Ob ich Gott fand? In einer früheren Lebensphase, vor ungefähr drei Jahren, als ich mit einem Fuß schon in Walhalla stand und per Suizid auch den wimmernden Rest meiner mir kärglich erscheinenden irdischen Präsenz hinüber zu den Met kredenzenden Mädels befördern wollte, mich aber aus innenarchitektonischer Sicht nicht mit mir einigen konnte, an welchem Balken meiner Hütte ich hängenderweise am Besten zur Geltung käme, war ich für die kurze Dauer von neun hektischen Herzschlägen Gott sicherlich sehr nah...

Ohne eines Wunsches Last, nichts begehrend und jeglichem weltlichen Rollenspiel entronnen, bei einem morgendlichen Spaziergang, erschaute ich einen Abglanz Gottes im bronzenen Auge eines im Wassers schwimmenden Frosches. Unbewegt trieb besagtes Tierlein in der Uferzone eines ziemlich vermüllten Weihers.

Minutenlang starrten wir uns gegenseitig an, bis das geronnene Feuer im Augenlicht jenes Lurches, auch wenn dies nach einer esoterischen Münchhausiade klingen mag, meine Seele zu verbrennen schien! Ich kniete nieder; verflossene und kommende Äonen starrten mir ins Angesicht, wie ein schwärender Abgrund tat sich Gottes Antlitz auf und über allem, mich lockend, schwebte ein pulsierendes Licht, doch ich, zu schwach und unentschlossen um nach dem flammenden Gral zu greifen, fiel in eine weibische Ohnmacht...

Anders kann es Jakob Böhme nicht ergangen sein, als er Gottes Antlitz erstmalig beim Anblick eines Zinngefäßes erschaute. Nur war dieser Philosophus Teutonicus bekanntermaßen zu einer späteren Reflektion befähigt, während ich dieses Erlebnis wie einen seelischen Krampf empfand und noch stundenlang wie ein besoffener Penner, flennend und fluchend durch dornbewehrtes Gesträuch irrte. Scheinbar mangelt es mir an religiösem Ernst, der wohl auch unabdingbar wäre, um jemals zu einem wirklichen Dichter reifen zu können!

Wer ist für den Gesang in dem wunderschönen Stück „Das Mädchen aus der Fremde„ (Text von Friedrich Schiller) verantwortlich?

Nadine Spindler, die schillerndste Orchidee auf dem sozialen Komposthaufen meiner Heimatstadt Merseburg sang dieses von Frank komponierte Lied ein. Ich lernte sie an der dortigen Musikschule kennen; wir sangen Seite an Seite, was mancher angelernte Heide als Blasphemie empfinden mag, Lieder von Brecht und später, um die Blasphemiezu vervollkommnen, gar Lieder christlichen Inhaltes. Ihrer wundervollen Stimme wird auch noch bei späteren Veröffentlichungen eine tragende Rolle zukommen. Nicht nur bei ORPLID, sondern auch bei dem am Ende dieses Zeitungsgespräches erwähnten Projekt SONNENTAU!

In einem Lied des neuen Albums besingt ihr das uralte Symbol der Queste. Welche Bedeutung hat dieses Sinnzeichen und wofür steht es in Deinem Text?

Vor drei Jahren, zu Pfingsten, wurde ich zum Questenfest verschleppt. Dort fanden sich in aller Hergottsfrühe zahlreiche runengeschmückte, teilweise sehr ungepflegte Jugendliche vor, deren rituelle Handlungen sich auf das blindwütige Konsumieren alkoholischer Getränke beschränkte. Taumelnd- und rülpsenderweise, nicht einmal klischeegerecht von Met, sondern von ordinärem Büchsenbier berauscht, trottete die Meute im Prozessionszug der Einheimischem mit.

Ich habe mich regelrecht für diese dekadenten Furunkel vor den Questenbergern geschämt, die aber die Entweihung dieser wunderbaren Tradition ihrer natürlichen Offenherzigkeit wegen scheinbar überhaupt nicht registrierten. Auf dem Questenfels angelangt, wünschte ich mir kurzentschlossen Hugin und Munin herbei. Mit frohem Gekrächze sollte das mythische Federvieh seine ätzenden Stoffwechselprodukte über dieser gerwahnischen Meute jämmerlicher Trunkenbolde und studierter Bügelfaltenheiden ablassen.

Leider wurde dieser Wunsch nicht erfüllt. Letztlich war ich der Angeschissene! Dieser Umstand amüsierte mich nicht sonderlich und so nahm ich einen taktischen Rückzug vor, ging spazieren und widmete diesem Geschmeiß zu meiner Entspannung, um später Gnade Einlaß in mein rachedurstiges Herz zu gewähren,
nachfolgendes Gedicht:

Heidenherz

Ja, ich glaube an die Asen!
Und das sage ich auch laut,
Selbst wenn sich das auf den Straßen
Nur ein Narr zu sagen traut.

Runen einer Edelrasse
Zieren mein geweißtes Hemd,
Strikt verachte ich die Masse,
Alles Schwache ist mir fremd!

Einsam folge ich dem Sterne
Glorreicher Vergangenheit,
Fechte wider die Moderne,
Scheue Tanz und Heiterkeit!

Wenn ich rings die Kirchen sehe,
Arg im Heidenherz es zwickt,
Bei Bedarf ich lautstark flehe;
„Thor, beende den Konflikt!

Sei kein einfältiger Pinsel,
Komm, sei endlich mal auf Zack,
Schlag jetzt ohne viel Gewinsel
Zahlreich tot das Christenpack.

Morden sollst du, Mitleid scheue,
Misch die Kreuzanbeter auf!
Hauptsache auf meine neue
Hose kommt kein Spritzer drauf.

Töte sauber, aber fleißig
Mit dem Hammer Tag für Tag
Neunzehnhundertdreiunddreißig
Schwächlinge mit jedem Schlag!“

Sitz ich dann dereinst alleine
Auf der Welt, was macht das schon?
Immerhin hab ich noch meine
Nonkonforme Erektion!

Prächtig schwellend überm Grate
Vom verwaisten Sündenpfuhl
Reckt sich meine ganz private,
Pimmelhohe Irminsul!

Zu ihr will ich keuchend beten,
Von der Sonne abgewandt,
Sie mit aller Ehrfurcht kneten,
Bis zum nächsten Weltenbrand!

Stunden später, zur Mittagszeit, nachdem dieser Heidenspuk vorüber war, kehrte ich wieder zur Queste zurück, um die Stimmung des Ortes unverfälscht auf mich wirken zu lassen. Es war ein Erinnern an vorgeburtliche Welten, ein Besinnen auf blutsbrüderische Bande mit allen Gestirnen. Viele Bilder und Gedanken suchten mich heim. Einige lose Stichworte seien an dieser Stelle genannt: Fruchtbarkeit, Sternentor, Vollendung, Ouroboros, Draupnir, Ying und Yang, Sonnenrad, Jahreskreis, Irminsul, Horusauge, Mutterschoß, Kreuzigung, Globus, Iris, Erntekranz, Ehering, Reinkarnation...

Alles scheint bei Orplid zum Ewigen, zur Versenkung und Verschmelzung, zum Göttlichen, zum höheren Selbst zu streben. Wie lebst Du dieses Streben im Alltag der modernen Welt?

Ich habe keinen Fernsehanschluß, kein Funktelefon und keine Fahrerlaubnis. Abgesehen von diesen, fast schon üblichen zu nennenden Naturburschen-Standards, führe ich rein äußerlich gesehen das vulgäre Dasein eines befriedeten Bundesbürgers. „Nichts ist mir fremd!“; entsprechend dieses, von einem überaus fröhlichen Wissenschaftler geprägten Mottos, möchte ich nicht behaupten einen absonderlichen, mit ORPLID in einen unmittelbaren Kontext zu bringenden Lebensstil zu führen.

Ebenfalls allgegenwärtig ist die Dunkelheit, das Apokalyptische – der Untergang und das Ausharren des Individuums in dieser Phase. Was empfiehlst Du als Rüstzeug für die Wolfszeit?

Ein Blick aus meinem westwärts gerichteten Fenster; das Gold der Abendsonne ergießt sich über meine auf der Veranda schlummernden Hunde. Traumgehüllt liegen sie beieinander. Ihre Pfoten und Lefzen zucken, konvulsiv tanzen die Pupillen unter den geschlossenen Lidern. Für Augenblicke meinem erzieherischen Zugriff entronnen, scheinen die beiden zottigen Gesellen von einer erfolgreichen Hatz zu träumen.

Oder gar von der Wilden Jagd? Ein unverzeihlicher Frevel wäre es, bei diesem Anblick von Apokalypse und Dunkelheit zu sprechen. Welches Rüstzeug ich für die Wolfszeit empfehle? Auf dem Pfade, den die Stimme des eigenen Gewissens anbefiehlt, sollte man im Sommer leichtes Schuhwerk und im Winter dicke Wollsocken tragen; ansonsten gibt es nichts zu beachten!

Eure Kritiker werfen euch übertriebene „Deutschtümelei„ und martialisches Gehabe vor. Ein linksextremes Pamphlet sprach kürzlich gar von „Landser- Lyrik„. Was denkst Du über derartige Behauptungen und wie, glaubst Du, entstehen solche Ansichten über Orplid?

Sich zwischen alle Stühle zu setzen, heißt letztlich auf dem Thron eigener Gedanken Platz genommen zu haben. Dort sitzt es sich königlich bequem! Kritiker können unsereins dieses wohlige Behagen nicht rauben. Deutschtümelei? Ich erfuhr erstmalig aus einem vorangegangenen Zeitungsgespräch von diesem, aus meiner Sicht durchaus verzeihbaren Blödsinn. In einer früheren Wohnung von mir weckte mich allmorgendlich das legendäre Quietschen der hallischen Straßenbahn.

Etwas grimmig war ich manchmal schon, aber um so liebevoller umarmte mich kurze Zeit später der gnadenreiche Morpheus und ich schlief weiter, schöner träumend als zuvor. Das putzig anmutende Gewimmer jener gesichtslosen Schreibtischtäter übt eine ähnliche Wirkung auf mich aus; ich registriere es lediglich, aber der Pfeil ihres substanzarmen Urteils erreicht das Herz von ORPLID nicht. Bestenfalls bleibt er in einer unwirtlichen, im wohl berühmtesten Ausspruch des Götz v. Berlichingen zitierten Körpergegend stecken. Wobei ich nicht behaupten will, daß jeder der angesprochenen Kritiker ein pausbäckiger, anal fixierter Amor ist.

Sicherlich zieren jene Kritiker auch menschliche Züge! Aber warum ein erwachsener Mensch überhaupt öffentlich Kritik übt, sich mit elsterhaftem Gezeter über Werke anderer eine durchaus fragwürdige Daseinsberechtigung ergattern will, bleibt mir wohl ewig rätselhaft, wie viele Dinge unter Wotans Sternenmantel, für welche ich keine Erklärung habe - was auch den letzten Teil der Frage betrifft. Doch mir zum Trost widme ich diesen Elsterschnäbeln folgendes Verslein;

An meinen Menschenfloh

Der Mensch ist ungerecht und roh!
Egal ob in Matratzenstroh,
Im Damen- oder Herrenklo
Von Disko, Kino und Büro,
Bei Mummenschanz und Mordio,
Ja, überhaupt und sowieso;
Du bist, mein guter Floh, stets froh
Wenn ab und zu sich ein Popo
In diesem irren Menschenzoo
Mit übervollem Darmdepot
Nach explosivem Risiko
Mit laut gezischtem Horridoh
Zu dir gesellt und mit Niveau,
Im großen Stil eröffnet, wo
Der Mensch noch menschlich ist! Oh, Floh,
Die Welt ist ungerecht und roh!

„Orplid, das ferne Land„, bezeichnet auch das verlorene Eiland der kollektiven Sehnsüchte, den paradiesischen Urzustand, das goldene Zeitalter. Siehst Du eine solche Epoche erneut heraufdämmern oder stehst Du dem momentanen Zeitalter ähnlich pessimistisch gegenüber, wie viele zeitgenössische Kulturphilosophen? Oder steht Orplid eher für das "innere Refugium", im Sinne von Ernst Jünger?

ORPLID ist ein Refugium im eigentlichen Sinne, oder um der uns angedichteten egozentrischen Art gerecht zu werden; im Sinne von Frank Machau und Uwe Nolte. Ist eine neue Epoche in Sicht? Ob sich das kosmische Walten in den Auf- oder Niedergang der Menschheit und derer wechselnden kulturellen Reife, sprich, in Epochen unterteilen läßt, wage ich an dieser Stelle in Frage zu stellen.

Ich sehe den Menschen nicht unbedingt als liebstes Kind der Schöpfung an! Er ist nur eine, wenn auch zeitweise sehr drollige Spezies von vielen und sein kulturelles Bestreben ist ebenfalls ein durchaus akzeptables Experiment der Evolution; ein permanenter Artikalutionsversuch von Mutter Natur. Wollen wir hoffen, daß es der allzu geduldsamen Frau nicht bald gänzlich die Sprache verschlägt!

Eine der vielen Krankheitssymptome unserer Kultur ist ihr schnellebiger Zeitgeist und ihre Wurzellosigkeit. Dazu gehört der Verlust von Märchen und Mythen als lebendiges Kulturgut. Wie beurteilst Du den Zustand eines Volkes, das seine Geschichte(n) vergißt und verleugnet?

Was spricht der Volksmund?: „Wenn sich einer verarschen läßt, gehören immer zwei dazu!“. Ob es nun die bequeme und gegenwärtig weit über die Augen gezogene Zipfelmütze des Deutschen Michel oder der weitaus unbequemere Stahlhelm ist, unser domestiziertes Volk scheint mit der Demut eines vollgefressenen Mastschweins zu jedem historischen Abschnitt die jeweils passende Narrenkappe tragen zu wollen.

Doch letztlich möchte ich nicht den Stab über ein sich mehr und mehr innerlich entzweiendes Volk brechen, dessen selbstverschuldeter Zustand mich als angehendes Individuum nicht interessieren darf. Es steht jedem frei unabhängig vom Diktat seiner Zeit, das Reich der Mythen und Märchen seines Volkes zu bereisen, den Klang seiner Muttersprache als Labsal zu begreifen, um letztlich sich selber und seinen Platz im Dasein zu entdecken.

Ich vermag keinerlei Anzeichen zu erkennen, daß dies heute nicht möglich wäre! Zwar kann es ungemein schwer fallen sich aus dem farbenfrohen Kerker unserer suggerierten Freiheit zu befreien, aber Heere von Rattenfängern und glücklichen Sklaven gab es schon seit der Mensch sich göttlich wähnend, mittels eines keck gewundenen Lendenschurzes vom Tier abgrenzen wollte. Wie lächerlich! Streng genommen entfremdete der Mensch sich durch diesen instinktlosen Abgrenzungsversuch.

Spätestens Diogenes wurde dies bewußt als er, wie die etwas Beleseneren unter den Lesern dieser Zeilen sicherlich wissen, bei Sonnenschein mit einer Lampe in der Hand über einen Marktplatz irrend einen Menschen suchte. Wieder spricht der Volksmund wahr; „Wer sucht, der findet!“. Letztlich entscheidet ein Blick in den Spiegel, ob diese Suche von Erfolg gekrönt ist.

Auch wenn die Donar-Eiche fiel und Mickey Mouse seit rund sechzig Jahren am verbliebenen Stumpf knabbert, ihre Wurzeln sind noch voller Lebenssaft! Dieser Umstand ist unabänderlich, auch wenn ein gut gekleideter Herr neulich behauptete, daß die Deutschen Amerikaner seien. Wenn schon nicht die Wort- so zeugte doch wenigstens die Kleiderwahl bei diesem öffentlichen Versprecher von Stil!

Wie wichtig sind Träume, sowohl als rauschhafte Vision, als auch als Medium für Glaube und Hoffnung?

Ich selber bin nicht sonderlich medial begabt. Selten suchen mich Träume heim; ja, oft träume ich nur zu träumen! Empfangene Bilder zerstäuben meist beim Erwachen. Ausnahmsweise gestern blieb aber ein Traum samt ihm entstammenden Emotionen auch mit dem Erwachen sehr lebendig: Ich stand in einem verlassenen Gebirgsdorf zwischen Bauernkaten und hohen, lastgebeugten Fichten, die mit zentimeterdicken, mintgrünem Eis bedeckt waren.

Nur konturenhaft waren Häuser und Bäume zu erkennen. Wie in Bernstein verschlossen, totenstill, in helles Licht gehüllt, offenbarte sich die winterliche Landschaft. Niedriger als sonst, fast die Baumwipfel streifend hing eine fluoreszierende Wolkendecke über dem Dorf. Mir war bewußt, das in eben jenem Augenblick ein durch die Medien angekündigter Komet in die Erdatmosphäre dringen sollte. Diesmal hatten die Medien dummerweise nicht gelogen, bzw. hatte niemand an den Schalthebeln der Macht das nötige Maß an Nächstenliebe aufgebracht, den unvermeidlichen Weltuntergang vor der bangenden Öffentlichkeit geheim zu halten.

Wie von glühender Axtschneide geteilt, zerriß der Himmel, dumpfes Grollen ertönte, die Erde begann erst zu vibrieren, dann zu beben. Dem Meteor, der mit luziferischer Majestät grün flammend am Himmel stand, konnte ich wegen arger Gleichgewichtsprobleme kaum gebührende Beachtung schenken. „So ist also ein Erdbeben!“; wimmerte ich zu mir selber. Dann wurde mir bewußt, daß sich niemand um meine Hunde kümmerte. Meine Hunde; schon bei fernem Gewittergrollen suchen sie winselnd meine Nähe. Jemand in Halle mußte sich ihrer annehmen!

Ich irrte nach einer Telefonzelle suchend durch das Dorf. Ringsumher zerbrach seltsam knirschend das mintgrüne Eis und die bis dahin eingeschlossenen Dinge: Häuser, Zäune, Laternen und Bäume zerstoben wie Rauch. Die Wirklichkeit zerbarst! Immer heller wurde das Licht des Kometen, heftiger bebte die Erde, doch letztlich fand ich eine Telefonzelle, sprang hinein, konnte aber nicht telefonieren, weil irgendwelche, von laschen 68´ern antiautoritär erzogene Großstadtkinder (diese Erklärung hatte ich sofort parat) den
Hörer abgerissen hatten.

Ich fluchte noch irgendwas von Abschaum u.ä. und wurde daraufhin von meiner aufsteigenden Wut geweckt. Das mein erster Gedanke beim Untergang der Welt meinen Hunden galt, mag Antwort genug sein, inwieweit Träume Medium für Glaube und Hoffnung bezüglich der Menschheit sind. Letztgenannte Feststellung ist aber durchaus launenabhängig!

Du/ihr setzt dem „modernen„ Verfallsprozeß Dein/euer Talent entgegen, einerseits mit Orplid, andererseits mit Deinen weiteren Projekten. So ist augenblicklich ein Kinderbuch im Entstehen, das Du gemeinsam mit Claudia Arndt gestaltest. Bitte erzähle uns hierzu etwas! (Auch unter der Fragestellung: Wie reagiert die angeblich so "nonkonforme Szene" darauf?)

Zunächst einmal muß ich bemerken, daß mir jeglicher missionarische Gedanke im Laufe meiner künstlerischen Tätigkeit verloren ging und ich einzig und allein schöpferisch bleibe, um meinen persönlichen Verfallsprozeß etwas zu verlangsamen. Mit jedem vollendeten Werk baut man Stück um Stück an seinem Haus und jeder der Einlaß begehrt, sei herzlich willkommen.

Andere mit Kunstgenüssen zu bewirten freut uns sehr, aber jemanden zu einer gewissen Sache oder Denkweise zu bekehren oder gar „die Welt zu retten“, war nie die eigentliche Aufgabe von ORPLID. Wie es zu dem Kinderbuchprojekt kam? Claudias Arndts Bruder, mein Freund Andreas und ich begannen auf Anraten einer besser unerwähnt bleibenden Person mit den Aufnahmen einiger Kinderlieder.

Letztlich kam es durch das mangelnde Engagement dieser dritten Person nicht zur voll- ständigen Umsetzung der teilweise recht liebevoll arrangierten Stücke. Er, der uns ein Studio, Vermittlungen zu Agenturen, ja den Zutritt zum Schlaraffenland versprach, sprang seiner menschlichen Inkonsequenz entsprechend von besagtem Projekt ab. Übrig blieben meine Texte und Claudia Arndts wundervolle Illustrationen. Später gedachte ich den von mir sehr verehrten Liedermacher Gerhard Schöne für dieses Projekt zu begeistern, was aber an Gründen scheiterte, die ich an dieser Stelle nicht näher darstellen möchte.

Nonkonforme Szene? Gehört habe ich schon von deren Existenz, doch ihr Urteil, auch wenn das eine oder andere Mitglied sicher aus dem Klischee-Sumpf des militanten Maskenballs herausragen mag, würde mich bestenfalls amüsieren. Schon sich nonkonform zu nennen, finde ich geschmacklos! Das der Autoschlüssel beim berechenbaren Ritt auf kastriertem Papiertiger nicht aus der Tasche seiner staubfreien Uniform fällt, mag die größte Sorge eines selbsternannten Evolianers sein!

Mir ist jede bürgerliche oder anti-bürgerliche Regel schon beizeiten abhanden gekommen und zu dem lächerlichen Konstrukt der in nonkonformen Kreisen verfemtem „Moderne“ möchte ich keinerlei Bezug nehmen. Ich will sie weder verteufeln, weil ich ja ebenfalls alle Vorzüge der Technik genieße, noch gut heißen, da mich jede Form ersatzreligiöser Technikgläubigkeit anwidert. Zudem beeinflussen trotz aller Technisierung immer noch elementare Dinge unser Dasein und so möchte ich fragen; Was soll das überhaupt sein, Moderne?

Ob nun mit Faustkeil gewappnet oder mit digitalem Flimmern in den Augen; jedem ist es erlaubt, sein Leben zu gestalten. Warum sollte ich als freier Mensch zur gegenwärtigen, teilweise als widernatürlich einzustufenden Lebensweise meines menschlichen Umfeldes überhaupt eine „nonkonforme Haltung“ einnehmen? Warum sich im Pro und Contra halbherzig inszenierter, sozial genormter Konfessionen verstricken? Ich selber möchte eigentlich nur eines Tages mit mir und den Sternen „konform„ sein. Ach, was sagte doch einst ein Berufener?: „Des Menschen Wort verstand ich nie, ein heilig Herz zog mich Unendlichem entgegen...“.

Wenden wir uns einer weiteren Facette Deines Schaffens zu, der visuellen Kunst: Welchen Stellenwert hat die Fotografie für Dich, was versuchst Du dem uneingeweihten Betrachter zu vermitteln, was ist Deine ureigene Vision beim Fotografieren?

Vor rund drei Jahren habe ich die Dekadenz der Fotografiererei entlarvt. Seit jenem persönlich bedeutsamen Tag habe ich mich der Malerei verschrieben. Folglich sind meine Bilder Gemälde. Nichts von dem was ich tue hat einen hohen oder überhaupt einen Stellenwert. Ich versuche nur meinen Besuch auf Erden etwas kurzweilig zu gestalten.

Der chronische Mangel an Räumlichkeiten zur Umsetzung meiner wirklichen Ideen, die Nichtexistenz von aufgeschlossenen Modellen und Zuarbeitern sowie das Fehlen von würdigen Ausstellungsräumen, sind die wirklichen Voraussetzungen für meine Bilder.

Hinzu kommt, daß ich auf allen Sektoren meines Schaffens kein vollkommen ausgeprägtes oder geschultes Talent besitze und alles was ich fabriziere, meine Improvisationsgabe mir in den Schoß wirft. Zu vermitteln gedenke ich nichts, doch freut es mich natürlich wenn jemand Gefallen an meinen Bildern findet. Eine Vision oder ein Konzept besitze ich nicht. Etwas zufrieden bin ich schon wenn es mir gelingt, nur einen Bruchteil meiner inneren Bilderwelt aufs Papier zu bannen.

Deine früheren Werke hatten einen morbid-surrealen Charakter, waren oftmals düster und mit optischen Verzerrungseffekten garniert. Deine aktuellen Arbeiten sind figürlicher, bestehen meistenteils aus Portraits und Körperfotografie -und dennoch verströmen sie mystische Tiefe, Klarheit und einen Duft von Ewigkeit. Welche Entwicklung hat sich in deinem Schaffen vollzogen?

Ich bin etwas geduldiger geworden, habe begriffen, nicht nur beim Schaffen der Bilder, daß ein Werk nicht an einem halben Tag in ahasverischer Hast vollendet sein muß. Zudem gelangten im Laufe der Jahre ein bis maximal zwei Zwischentöne in mein Denken und Handeln.

Wenn Du Deinem Kind drei (materielle) Geschenke in drei verschiedenen Lebensabschnitten machen würdest – welche drei Dinge wären dies?

Erst dann bin ich befugt diese Frage zu beantworten, wenn in einem erlesenen Schoß meine Saat aufgegangen ist. Jedoch kann ich mit bestem Gewissen kund tun, daß meine beiden vorläufigen Söhne mit Fleisch, Wasser und einem Platz am Ofen durchaus zufrieden zu stellen sind.

Wie sehen Deine persönlichen und Orplids weitere Pläne für die Zukunft aus?

Zu ORPLID; Frank und ich waren uns gestern bei einem klärenden Telefongespräch einig; das nächste Vollzeitalbum wird die erste wirkliche ORPLID- Veröffentlichung überhaupt. Jetzt, nach jahrelangem Suchen, sind wir erst menschlich frei genug, um unseren wirklichen Ansprüchen gerecht werdende Kunst zu schaffen. Bis zum Erscheinen dieses ersten ORPLID-Albums, werden wir aber weitere Vorhaben verwirklichen...

Frank spielt zur Zeit einige, seinem im Sommer geborenen Töchterchen gewidmete Lieder ein. Genaueres kann ich dazu nicht sagen, aber man kennt ja seine Herangehensweise und weiß um die Qualität des Resultates. Sicher erwartet den Hörer, entsprechend des ungewöhnlichen Konzeptes, ein äußerst innovatives Klangbild. Zudem wollen wir unser altes RÜCKGRAT-Material, samt eines Videos und einer Adaption des Titels „Freude und Leid“ veröffentlichen. Irgendwann soll es sogar eine Reunion von RÜCKGRAT geben!

Ich für meinen Teil, versuche gegenwärtig mit dem musizierenden Literaturwissenschaftler Dr. Bessex das Konzept eines sehr eigenwilligen Musikkabaretts mit dem Namen P;J.D. (Projekt; Jugend dichtet) zu verwirklichen. Viele Lieder sind schon im Kasten und ich muß immer wieder köstlich feixen, wenn der schweflige Sarkasmus jener, jegliche smegma- tische Subkultur verhöhnenden Liederchen aus meinen treuen RFT-Boxen quillt.

Weiterhin werde ich mit Andreas Arndt an der nächsten SONNENTAU-Veröffentlichung feilen. Dabei handelt es sich um ein rein akustisches Musikprojekt, von dem eine bereits fertiggestellte Mini-Cd bei PROPHECY PRODUCTIONS noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht wird. Claudia und ich wollen ein betont exquisites, dadurch selbstverständlich kostenungünstiges Gedichtbüchlein für erlesene Sammler fertigstellen. Sie wird es illustrieren und möglicherweise noch einige Lieder hinzufügen.

Dann gibt es noch einige Gehversuche in Richtung archaischstem „Black Metal“, ein Bildband mit meinen Werken steht auch noch aus, ein Musikvideo zu einem der nächsten ORPLID-Lieder will ich drehen und und und...

...aber das Wichtigste; nächstes Jahr will ich an einem Marathonlauf teilnehmen. Schon jetzt stürme ich hermesleicht mit meinen beiden Hunden durch die hiesigen Parkanlagen und gehe dank ihres Altersrheumas immer als Sieger hervor, was mich in meinem Wahn bestärkt, die angestrebte Distanz heilen Herzens zu überstehen.

Wird man Orplid beizeiten leibhaftig auf der Bühne genießen können?

Ja, sobald auch ich ein Bürger vom Elbflorenz bin. Einen genauen Zeitpunkt möchte ich allerdings nicht benennen. Unbedingt müssen wir uns dieser Herausforderung stellen. Wir sind es uns selbst und den wenigen Hörern, denen wir wirklich etwas bedeuten schuldig

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metal.de 2002

Den Titel "Erzengel Michael" trägt nicht nur ein Stück (inklusive Text) auf dem neuen Album "Nächtliche Jünger", sondern auch eine von Uwe Nolte angefertigte Photographie und ein verfasstes Gedicht. Wie wichtig ist es für Euch, den Gedanken zu einem Thema durch verschiedene künstlerische Mittel Aus- druck zu verleihen?

Es ist nicht unbedingt erforderlich mit mehreren Ausdrucksmitteln ein und denselben künstlerischen Gegenstand herauszuschälen. Ein Gedicht zu illustrieren, kann genau genommen sogar den Kunstgenuß erheblich schmälern, weil der Betrachter nicht mehr gefordert wird, vor seinem geistigen Auge ein Bild eigener Phantasie aufkeimen zu lassen. Nur haben wir innerhalb von ORPLID die einmalige Gelegenheit, aus dem Quell vieler Talente zu schöpfen und es erschien uns im Sinne des Hörers zu sein, unser Werk unter verschiedenen Aspekten zu präsentieren.

"Der Erzengel Michael ist der Erste unter den Engeln" (Daniel 10,13). In dem Stück "Erzengel Michael" zeichnet Ihr das Bild eines zweifelnden Engels, der seinen Bruder stürzte, und letztendlich voller Zorn mit gezücktem Flammen- schwert von seiner Position als östlicher Himmelswächter des Thron Gottes nach Westen läuft. Könnt Ihr dieses Bild des zweifelnden Michaels noch ein wenig ausführen?

Lied und Text entstanden während der kriegerischen Handlungen gegen das ehemalige Jugoslawien, bei denen Deutschland, von dessen Boden nie wieder ein Krieg ausgehen sollte, in landsknechtischer Ergebenheit, auf Geheiß des Finanz-Gottes USA, eigene und fremde Menschenleben riskierte. Dies geschah blasphemischerweise im Namen der oft innerhalb des westlichen Wertesystems zitierten, aber mangelhaft praktizierten Menschlichkeit! Vom Standpunkt des Menschlichen ausgehend, können Kriege keine akzeptablen Lösungen zur Folge haben oder gar "human geführt" werden, wie es uns die Medien ein- zutrichtern versuchten.

Konflikte, wenn auch oberflächlich beendet, schwelen weiter und brechen an entfernter Stelle oder zu einem anderen Zeitpunkt um so zerstörerischer hervor - siehe 11. September 2001 und dessen Folgen! Erst später, als "eherne Schwingen" Feuer und Leid über New York säten, wurde mir diese mögliche Interpretation des Liedes bewußt, bzw. meine damalige Vorahnung bekam ihre blutige Bestätigung.

Prinzipiell wurde aber in diesem Text ein innerer Konflikt unter Zuhilfenahme der biblischen Geschichte verarbeitet. Die Mächtigkeit der beschworenen Bilder ist bedingt durch die Schwere eines drohenden menschlichen Verlustes. Letztlich sind aber, wie eigentlich immer im Bereich der Kunst vielerlei Auslegungen möglich. Zudem habe ich zu einem späteren Zeitpunkt selbiges Thema erneut aufgegriffen und nachstehende, Frank gewidmete Verse niedergeschrieben...

Erzengel Michael

Vater der Gnade, in Leuchten gewandet,
Vater, geboren auf himmlischem Thron,
Lausch meiner Stimme ersterbenden Donner;
Ich bin nicht länger dein höriger Sohn!
Heute, vom Zorn eitler Jugend genesen,
Spüre ich schmerzhaft, daß Unrecht ich tat,
Als ich, dir folgend, dem Himmel ergeben,
Gläubig den Weg deines Wortes betrat

Und meinen Bruder mit richtendem Schwerte
Aus deines Reiches Palästen verstieß.
Ihn! der durch seine betörende Schönheit
Wortlos der Schöpfungen Herrlichkeit pries.
Ihn! der voll Unschuld im Traum das Erwachen
Älterer, stärkerer Götter beschwor,
Hast du verstoßen vom Quell deiner Gnade,
Grausamer! weil deine Liebe erfror.

Mußtest du freveln am eigenen Blute,
Hast du gerichtet nach göttlichem Maß,
War es nur Furcht, Vater, Gift feiger Rache,
Das deiner Weisheit Gedanken zerfraß?
Geißelnde Zweifel zerrannen im Strome
Meiner vergossenen Tränen, es starb
Schmählich mein Glaube, der Siegerkranz welkte,
Den ich mit ruhmlosem Heere erwarb.

Unter dem hallenden Banner des Rufes;
"Wer ist wie Gott?" stand ich bebend im Licht
Meiner Getreuen, mein Zorn riß mir Wunden,
Ich aber hemmte sein Ungestüm nicht.
Ja! wir verschmolzen Schulter an Schulter,
Schwerter um Schwert zu lebendigstem Strahl-
Als meine Seele im Jubel erstickte
Hinter der Panzerung schirmendem Stahl.

Vater, vergib mir, die eherne Rüstung,
Die meines Herzens Verletzlichkeit barg,
Wird mir zu schwer, meine Schwingen erlahmen,
Vater, vergib mir, ich bin nicht mehr stark.
Nacht für Nacht, wenn der Morgenstern mahnend
Wandelt auf seinem entlegenen Pfad,
Ich mir die Rückkehr der Stunde des Kampfes
Um deine ewige Herrschaft erbat.

Jung war die Welt, nicht vom Leide erobert,
Da ich mein Schwert, dir gehorchend, erhob.
Ängstlich, beim Klang meiner Stimme, gleich Nebel,
Seine Gefolgschaft aus Schatten zerstob.
Damals, erschaudernd vor eigener Stärke,
Flüsterte leise ich: "Bruder, entflieh!"
Er aber in alle Winde den Geifer
Lästernden, tödlichen Hohnes verspie,

Blickte zum Himmel und nieder zur Erde,
Lachte verächtlich, mit donnerndem Hall,
Warf in den Abgrund der Nacht seine Krone,
Blitze entfachend, von schwarzem Kristall.
Gleich einer sinkenden Sonne verlodernd
Fiel sie, ich wollte ihn halten, doch er
Stürzte sich brennend, mit marmornem Antlitz,
Ihrem erlöschenden Schweif hinterher.

"Flamme zu Flamme!" rief er im Fallen,
Über der Hölle geöffnetem Schlund,
"Flamme zu Flamme!" tönt es noch immer
Ferne, mich lockend aus nächtlichem Grund.
Vater, die Schlacht, die ich niemals geschlagen,
Doch durch die Gunst deiner Gnade gewann,
Tobt nun in mir, denn ich sehe, am Himmel
Glimmt seiner Augen betörender Bann

Immerfort siegreich. Dein Himmel, mein Vater,
Kann meiner Sehnsüchte Heimstatt nicht sein.
Tief muß ich fallen, entzweit von dir stürzen,
Frei, in das Grab deines Fluches hinein.
Luzifer, Bruder, nun öffne die Pforten
Deiner Gefilde, schnell, zögere nicht!
Laß deines Stolzes gebändigte Gluten
Tilgen die Tränen von meinem Gesicht.

Waffenlos stehe ich vor deinen Hallen,
Blutend, vom Sturz in die Nächte verletzt,
Bin nun gewappnet, dem Tag zu entsagen,
Schnell, Bruder, komm und umarme mich jetzt.
Hier, unbeirrt, an des Wahnes Gestaden,
Hier, von des Rausches Verlockung bedroht,
Bruder, erwarte ich furchtlos dein Nahen,
"Flamme zu Flamme!" sei unser Gebot.

Welche Bedeutung hat die Nacht für Euch? Welchen Wert haben Träume für Euch?

Die Nacht ist mütterlicher Natur; Wir fließen aus ihrem Schoß und strömen nach vollendetem Lebensbogen wieder zurück. Mehr weiß ich auch nicht im Moment zu diesem Thema zu sagen. Wie auch? Meistens schlafe ich ja friedlich zu nächtlicher Stunde. Und Träume? Ich selber pflege nicht zu träumen. Nur ab und an schleichen sich inhaltlich verdrehte Alltagsbilder in die schattenschwarzen Gemächer meiner Seele.

Auch manch dralles Weibsbild taucht in kecker Pose auf, um mich vom Pfad der Tugend abzubringen. Glücklicherweise erwache ich jedesmal schweißgebadet, bevor es zu ernst- haften Prüfungen meiner Tugendhaftigkeit kommen kann. Selbst in Gefilden des Traumes bin ich scheinbar ein eiserner Junggeselle.

Auf Eurer Homepage ist bereits die Veröffentlichung eines weiteren Tonträgers mit dem Titel "Sterbender Satyr" im Eigenvertrieb angekündigt. Was wird den Hörer auf dieser Veröffentlichung erwarten und wieso erscheint diese im Eigenvertrieb?

Auf dieser Veröffentlichung wird die eingeschlagene Linie von ORPLID konsequent weiterverfolgt. Die Gedichte "Eichenhain" und "Des Sperbers Geheimnis" wurden höchstpersönlich von dem genialen Dichter Uwe Lammla eingesprochen und von Frank akustisch untermalt, während "Sterbender Satyr" und "Heimkehr" in der ORPLID-typischen Weise als Lieder umgesetzt wurden.

Daß wir die Veröffentlichung im Eigenvertrieb herausbringen wollen, hat keine tiefere Bedeutung. Wir sind mit der dargebotenen Leistung von Prophecy Productions äußerst zufrieden. Die dortige Arbeitsweise, durchwachsen von Geschäftstüchtigkeit, gemischt mit einem nicht jedem Unternehmen der Musik- Branche eigenen Idealismus, sagt uns sehr zu!

Auf dem Debüt "Orplid" wurden Texte von Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin und Anette Droste-Hülshoff vertont. Die Texte von "Nächtliche Jünger" stammen bis auf Schillers "Das Mädchen aus der Fremde" alle aus der Feder von Uwe Nolte. Welche Texte würde es Euch noch reizen zu vertonen?

Ich selber bin nicht unbedingt ein fachkundiger Geselle im Bereich der Literatur, speziell der Lyrik und kann somit bei Weitem keine Aussage treffen, welche großartigen, mir noch unvertrauten Werke im Verborgenen dämmern. Kunst ist eine Entdeckungsreise und bisher kann ich sagen, daß noch einige Gedichte Gottfried Benns und Rolf Schillings vertont werden wollen. Besonders das Gedicht "Luzifer" des zweitgenannten Dichters drängt nach einer würdigen Umsetzung, seit mich das schweflige Gift seiner Verse durchdrang. Über den Verweis auf unserer Netzseite gelangt man zu einer Auswahl der Werke dieses Jahrhundertdichters....

Alles was man lesen muss" - unter diesem Titel hat Marcel Reich-Ranicki einen Leitfaden "empfehlenswerter, wichtiger und exemplarischer" Werke der deutschsprachigen Literatur zusammengestellt, der beim Nibelungenlied beginnt und sich über Lessings "Nathan der Weise", Goethes "Faust", Mörikes Gedichte, Fontanes "Effie Briest", Hesses "Unterm Rad", Kafkas "Der Process" und "Die Blechtrommel" von Günther Grass in die Gegenwart erstreckt. Haltet Ihr einen derartigen Kanon für sinnvoll? Welche Werke erachtet Ihr als besonders lesenswert?

"Alles was man lesen muß"? Schon dieses "MUß" finde ich mehr als fragwürdig, aber vielleicht bedürfen manche Menschen dieser für meine Ohren etwas zu barsch klingenden Aufforderung, um überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen? Ich werde nie vergessen, wie ich meine angebetete, auf marmornem Sockel thronende Jugendliebe mit bebender Stimme in einer sternklaren Nacht fragte, ob sie schon Hermann Hesses Steppenwolf gelesen habe und das angebetete Fräulein mit der lächerlichen Arroganz einer Abiturientin darauf entgegnete; "Aber natürlich, das gehört doch zur Allgemeinbildung!". Hätte sie das nicht Jahre früher sagen können? Viele schlaflose Nächte wären meinem, von ihrem Bild durchflammten Jungenherzen erspart geblieben.

Ich empfand unwillkürlich eine natürliche Abscheu, degradierte die einstige "Diotima" und wischte mir den honigsüßen Schleim meines Liebestaumel-Traumes aus den Augen. Schon damals verspürte ich instinktiv Ekel als das Wort "Allgemeinbildung" genannt wurde. Insofern halte ich auch nichts von irgendwelchen öffentlichen Empfehlungs- schreiben, was das "Leseverhalten" anbelangt. Bücher wollen doch ERLEBT und nicht zur späteren Schaustellung der eigenen Bildung konsumiert werden! Bezug nehmend auf den letzten Teil der Frage möchte ich in fast chronologischer Reihenfolge einige Bücher nennen, die mich sehr bewegten, zumal jedes Werk eine Art Wegmarke meiner Jugend und jüngeren Vergangenheit ist:

Jack London "Wolfsblut"

Julius Zeyer "Die treue Freundschaft der Ritter Amis und Amil"

J. D. Salinger "Der Fänger im Roggen"

Hermann Hesse "Der Steppenwolf"

Stefan Zweig "Der Kampf mit dem Dämon"

Friedrich Nietzsche "Der Antichrist"

Ernst Jünger "Das Abenteuerliche Herz" (Erstfassung)

Rolf Schilling "Das Holde Reich"

In der PISA Studie haben Deutschlands Schüler im internationalen Vergleich schlecht abgeschnitten. Was glaubt Ihr wird die Zukunft dem "Land der Dichter und Denker" bringen? Worin liegen Eurer Meinung nach die Ursachen für ein solches Ergebnis?

Ohne in den langweiligen Duktus nonkonformer Randgruppen verfallen und zusammenhangslos irgendetwas von Kaliyuga oder Ragnarök faseln zu wollen, sehe ich nicht un- bedingt das Morgenrot des Geistes über unserem entseelten Fleckchen Heimaterde dämmern. Doch halte ich nichts von Jammerei! Wir leben, wenigstens oberflächlich gesehen, in Frieden und Wohlstand und jeder hat die Möglichkeit entsprechend der eigenen Begabungen und Fähigkeiten, sich selbst und seine nächste Umwelt zu verändern.

Der Mangel an Autorität in Elternhaus und Schule sowie die Vielzahl der Verlockungen am Rand des Lebensweges, das Überangebot an Reizen aller Art sind es, die eine junge, empfindsame Seele schlichtweg zukleistern, bevor sie sich zu kreativer Blüte entfalten kann. Die naturgegebenen, der Seele innewohnenden schöpferischen Kräfte verpuffen ziellos im Chaos der Pluralität unserer Tage. Das eigentliche Lebensziel; "Werde, was du bist!" wird somit zwangsläufig verfehlt. Was wird die Zukunft bringen?

Die Menschen werden sich wieder mit ihrer Sprache und Identität auseinandersetzen, sprich, ihren Platz im Dasein ergründen, werden wieder lernen den Stimmen der Natur zu lauschen. Es wird eine Zeit des Besinnens kommen; aus Nebeln des Vergessens tauchen Dichter auf, Maler entwerfen ein neues Menschenbild und die Liebe wird die alleinige Gebieterin über das Leben sein- sobald ORPLID im unterhaltsamen Programm von VIVA oder MTV permanent laufen.

Frank und ich studieren schon seit Wochen eine gemeinsame Choreographie für unser erstes Video ein: Wir chillen voll cool, in einem total abgefuckten Ami-Schlitten, wippen vor einer Kulisse aus zappelnden Bitches relaxt mit den Köpfen und fordern den fetten Respekt ein, der uns krassen Kurzhaar-Gängstas zusteht. Hier der ultimative Text zu unserem supergroovigen Rap-Song, der den Kids, Teens und Twens die korrekte Message ins Ohr beamt:

Yeah, wir trauern dienstbeflissen,
Da wir manches hier vermissen,
Heulen nachts in unsre Kissen,
Weil die Sprache, sinnentrissen,
Heute klingt so saubeschissen!
Ohne jemanden zu dissen;
Manche Typen sind nur Nissen,
Die es echt nicht besser wissen,
Doch wir setzen nun Prämissen,
Um die fies mal anzupissen!

Auf Eurer Homepage finden sich zudem Auszüge aus einem Kinderbuch, das in einer Zusammenarbeit von Claudia Arndt und Uwe Nolte entstanden ist. Wie kam es zu diesem Projekt?
Vor ungefähr zwei Jahren sprach mich ein befreundeter Musiker an, ob ich ihm nicht einmal ein paar Texte für eine Veröffentlichung mit Kinderliedern schreiben könnte. Auch Claudias Bruder Andreas war mit von der Partie und wir hatten eigentlich eine Menge Spaß bei den Aufnahmen und kamen auch ganz gut voran, bis der besser unerwähnt bleibende Musiker durch latente Disziplinlosigkeit und mangelndes Engagement unser Vorhaben vereitelte.

Wir, also Andreas und ich, schlossen ihn daraufhin vom Schaffensprozeß aus und gründeten SONNENTAU, ein Musikprojekt, das bald unter der Schirmherrschaft von Prophecy Prod. das Licht der Welt erblickt. Claudia stibitzte gleich einer Elster in der Zwischenzeit meine nun überflüssig gewordenen Gedichte und fertigte ohne mein Wissen fünf handgemachte Bücher, die wie sie selber, ein wahrer Augenschmaus sind.

Besteht der Wunsch bzw. die Absicht Texte oder Photographien Uwe Noltes in Buchform zu veröffentlichen oder wird deren Zugänglichkeit im Internet als ausreichend betrachtet?

Unbedingt wird dies in absehbarer Zeit geschehen und wenn ich keinen geeigneten Verlag finde, bringe ich das Buch selber auf den Markt. Die Rubrik auf unserer Netzseite hat einen rein informativen Zweck, bzw. besteht ihre Aufgabe darin, andere Künstler auf mich aufmerksam zu machen, um später gemeinsame Projekte realisieren zu können. Jedoch möchte ich anmerken, daß es sich bei den gezeigten Werken nicht mehr um Fotografien im eigentlichen Sinne handelt. Inzwischen verstehe ich mich als Maler ohne Pinsel und Palette! Mitunter verbringe ich Wochen bis zur Fertigstellung eines Bildes, aber wahrhaft glücklich war ich noch nie mit einem Ergebnis.

Worin liegt der Reiz, den Augenblick in einer Photographie festzuhalten?

Immer wieder begegne ich Menschen, bei deren Anblick mir unwillkürlich ein "inneres Bild" vorschwebt, welches ich später dann zu rekonstruieren versuche. Natürlich muß ich, um dieses Vorhaben realisieren zu können den oder diejenige auch ansprechen, was oft zu den dämlichsten Mißverständnissen führt, aber es kam auf diese Weise auch schon die eine oder andere wertvolle, mich bereichernde menschliche Begegnung zustande.

"Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt". (Johannes)


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Black-Magazin 2002

ORPLID, ihre Musik, ihre unnachahmliche Art den Interview Führenden, sowie die Leser an dererlei Frageexzessen zu erfreuen und dann, wenn das Verständnis etwas fehlt, gar zu erzürnen, sind bereits legendär und bedürfen eigentlich keiner einleitenden Worte. Insofern sei es mir gestattet lediglich noch einmal auf das so eben erschienene Werk "Nächtliche Jünger" zu ver- weisen (Rezension auch in dieser Ausgabe), auf dem sich über weite Strecken ORPLID von einer ganz neuen, musikalisch weiter gereiften Seite präsentieren. Ich sprach zunächst mit dem musikalisch Hauptverantwortlichen und Sänger FRANK MACHAU, später mit ORPLID Lyriker, Sänger und Vordenker UWE NOLTE.

Spätestens mit Ihrem neuen Werk "Nächtliche Jünger" wird offensichtlich, was bei ORPLID schon früh hervorschimmerte, ein sehr eigenständiger, deutscher Folkstil. Manche sprechen gar davon, hier Zeuge der Geburt eines ganz und gar neuen Stils geworden zu sein und auch Begriffe wie "Familie" sind bereits in Anlehnung an die große WORLD SERPENT Zeit im Umlauf, etwa mit Bezug auf die Kollegen FORSETI oder die Musikverleger PROPHECY und EIS UND LICHT.

In dieser Situation interessiert mich noch einmal rückblickend zu erfahren mit welcher künstlerischen Vision und Intension Sie einst ORPLID gründeten, ob es so etwas wie eine musikalische "Ahnenreihe" im Geiste gibt, z.B. "bündische" Musik, Krautrock, bestimmte DDR Traditionen, ob vielleicht die Schublade "Neofolk" von Anfang an eher missverständlich war?

FRANK MACHAU: Natürlich sollte es für einen Musiker auf Dauer nicht befriedigend sein, sein Schaffen auf ein einseitiges, wie auch immer geartetes subkulturelles Nischenpublikum auszurichten. Uns zumindest stand von Anfang an nicht der Sinn danach, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass ORPLID mitunter in der Vergangenheit den Anschein erweckt haben mögen, gewissen Neofolk-Stereotypen zu entsprechen. Ob wir nun dabei sind einen neuen Stil zu prägen, vermag ich nicht zu sagen, ebenso wenig, ob es hierbei Vergleichsmomente mit FORSETI gibt (ich habe Andreas´ Album bisher nicht gehört).

Meine musikalische Vision lässt sich schwer in Worte fassen, ich kann lediglich verstehen, daß es eine solche durchaus gibt und die Musik auf "Nächtliche Jünger" sich ihr wiederum einige Schritte angenähert hat. Ich möchte unsere Musik keinesfalls in einer Tradition mit "bündischem" Liedgut oder World Serpent Neofolk verstanden wissen.

An Krautrock interessiert mich immerhin die Tatsache, dass es irgendwann in den 70er Jahren wirklich einmal deutsche Musikformationen gab, derer man sich hierzulande nicht schämen mußte und die zu Recht auch internationale Anerkennung genossen bzw. noch immer genießen. Dergleichen kann man von der gegenwärtigen, einheimischen, populären Musik nicht behaupten. Volksmusik (im ursprünglichen Sinne) ist wahrhaftig ein nie versiegender Inspirationsquell. Wohlgemerkt nicht nur die eigene, auch die anderer Kulturkreise. Zur DDR Musik kann ich gar nicht viel sagen; wenngleich ich in diesem Land aufgewachsen bin, hat sie mich damals nie sonderlich interessiert.

Im Nachhinein muss ich dennoch einigen Musikschaffenden dieser Zeit ein hohes künstlerisches Niveau bescheinigen, trotzdem halten sich Einflüsse und Anregungen aus dieser Ecke in Grenzen. Wie es aussieht, muß ich es wohl oder übel anderen überlassen, die Musik von ORPLID in irgendeine "Ahnenreihe" zu stellen. Sie ist geprägt von allen möglichen Quellen, die seit frühester Kindheit an meine Ohren drangen und nicht zuletzt von dem Vermögen, die daraus resultierenden musikalischen Vorstellungen mittels Instru- ment und Stimme wieder nach Außen dringen zu lassen.

Bitte erläutern Sie, wie ein ORPLID Stück entsteht, wie die Arbeitsteilung zwischen UWE NOLTE und Ihnen aussieht.

Es ist wahr, daß Uwe für die lyrische und inhaltliche Seite von ORPLID die Hauptverantwortung trägt, während ich mich nahezu ausschließlich auf die musikalische Umsetzung konzentriere. Diese Arbeitsteilung hat sich bewährt und da wir in einer gewissen räumlichen Entfernung zueinander leben, ist sie auch nur in dieser Form möglich. Bis auf wenige Ausnahmen, entstehen die Stücke, indem zunächst ein Text (zumindest als Rohfassung) anliegt, den ich anschließend mit wechselndem Erfolg, in eine Liedform zu bringen versuche.

"Nächtliche Jünger" ist auffällig ruhiger und in der Musik filigraner ausgefallen als noch die Vorgängerwerke. War es ein bewußter Schritt diesmal auf Stücke mit einem gewissen "Kampfcharakter", wie etwa "Bruder Luzifer" zu verzichten. Spiegelt die oft sehr melancholische Grundstimmung auf "Nächtliche Jünger" etwas den Gemütszustand des musikalisch Hauptverantwortlichen während des Schaffensprozesses wieder?

Ja, das neue Album ist um einiges ruhiger ausgefallen als sein Vorgänger. Eine bewußte Entscheidung steckt nicht dahinter, ich denke, ich besitze seit jeher einen gewissen Hang zur Melancholie und sagen wir einmal, eher balladesken Liedformen.

Der angesprochene "Kampfcharakter" ist mit Bestimmtheit nicht gänzlich verloren gegangen, er hat mittlerweile nur subtilere Ausdrucksformen gefunden. Damit wären wir auch beim "Thema" musikalische Entwicklung; es wäre schlimm, hätte sie nicht stattgefunden, und dem aufmerksamen Hörer wird sie auch innerhalb der einzelnen Stücke des Albums nicht verborgen bleiben. Immerhin entstanden sie während des doch beträchtlichen Zeitraumes von nahezu fünf Jahren. So gesehen, ist "Nächtlicher Jünger" so etwas wie ein Querschnitt einer längeren Schaffensphase.

Bitte erzählen Sie uns zur allgemeinen Belustigung die Geschichte des SONIC SEDUCERS und der Holzkeule.

UWE NOLTE: Das oben erwähnte Jugendmagazin sah sich gezwungen wegen einer zwar sehr offensichtlich satirischen, aber scheinbar doch mißverstandenen Passage in einem unserer früheren "Interviews" sich von uns zu distanzieren - was mich aber letztlich weder belustigt, noch verärgert hat, da wir ja bekanntermaßen laut Verfassung und gemessen am bunten urbanen "Party-Treiben" in einer Demokratie unser freies Dasein fristen und jeder tun und lassen kann, was er will.

Angeblich würden wir es gut heißen, daß an der ehemaligen innerdeutschen Grenze Menschen mit der Holzkeule erschlagen wurden. Das Mißverständnis beginnt schon bei dem angesprochenen Gegenstand selbst, denn das Corpus Delicti war keine archaische Holz- sondern eine ordinäre Bohnerkeule! Wie dem auch sei; mein früherer und von mir sehr geschätzte Anatomielehrer pflegte bei ähnlich substanzlosen Äußerungen ohne Groll, mit einem Unterton von Resignation in der Stimme zu sagen: „Mumpitz, setzen!“.

Ein Antifa Autor beschrieb Ihre Lyrik einmal als "Landser Lyrik". Seitdem las ich diesen als Vorwurf gebrauchten Ausdruck des öfteren im Zusammenhang mit ORPLID. Möglicherweise ist das eine Bildungslücke, doch weiß ich wirklich nicht was "Landser Lyrik" ist. Können Sie uns das erklären?, vor allem interessiert mich, erschaffen Sie "Landser Lyrik"? Und wenn nicht, wie erklären Sie sich, daß dieser Eindruck entstehen konnte?

UWE NOLTE: Erstmals höre ich von diesem amüsanten Versuch einer Kategorisierung von Orplid und wieder werde ich versucht meinen ehemaligen Anatomielehrer zu zitieren, doch möchte ich sein sprachlich knappes, mich trotzdessen sehr bereicherndes Erbe nicht nochmals beflecken, indem ich es inflationär als Schutzschild gegen die Phantasielosigkeit einiger Zeitgenossen verwende. Menschen ohne Phantasie werden mir immer fremd bleiben- und umgekehrt, der Kategorisierungsversuch beweist es, wird dies wohl ebenso der Fall sein.

Um auf den letzten Teil der Frage einzugehen; Wie dieser Eindruck entstehen konnte, ist mir ein Rätsel, unlösbar wie der sagenumwobene Gordische Knoten. Warum aber ein zweiter Alexander sein, das Schwert erheben, den Knoten oder die Finger des zivilcouragierten Knüpfers zerhauen und das Rätsel lösen? Mit jedem unergründeten Geheimnis wird doch unser Erdendasein lebens- und liebenswerter. Sind wir nicht alle nur träumende Blumen im Garten Gottes und hat nicht jede Blume auch ein natürliches Recht auf ihre ureigene Farbigkeit?

Berauscht von der sprachlichen Blumigkeit des letzten Satzes bricht wieder das Dichterlein in mir durch und ich möchte folgende Verse all jenen Menschen widmen, die durch ihre chronische Gutherzigkeit mental zu sehr belastet sind um selber schöpferisch sein zu können, sich aber stattdessen, zum eitlen Zwecke der Selbstdarstellung, über alles was nicht ihrem winzigen, egogerechten Weltbild entspricht köstlich aufregen oder- wie in diesem Fall- nach Eigenbedarf emotional erwärmen...

Gewissensfrage

Ich esse Chips und sehe fern,
Das mach ich nach der Arbeit gern,
Man muß ja auch genießen,
Doch was ich sehe ängstigt mich,
Ist echt zu krass und fürchterlich,
Läßt meine Tränen fließen!

Woanders hungern Kinder und
Ich schlechter Mensch bin kerngesund,
Ich möchte schleunigst spenden.
Die Welt ist ja ein Irrenhaus,
Hier werd ich krank, hier muß ich raus!
Wohin soll ich mich wenden?

Ich gäbe alles für die Welt,
Doch selber habe ich kein Geld,
Hab nichts auf hoher Kante.
Was spende ich? Es fällt mir schwer!
Vielleicht den alten Teddybär
Von meiner toten Tante?

„Das Vieh ist sowieso nichts wert!„
Was denk ich da? Ich bin entehrt!
Wie soll ich weiterleben?
Es bricht mein Herz, von Schmerz umtost!
Wer kann mir armen Sünder Trost
Und Seelenfrieden geben?

Die Glotze schalt ich bebend ab
Und steige tief berührt hinab
Ins Gnadental des Schlafes,
Bin wieder mit dem Leben quitt,
Schlaf friedlich ein und träume mit
Der Unschuld eines Schafes.

In einem Interview las ich, daß Sie nach dem Ende von RÜCKGRAT vorhatten, Ihrer Musik künftig nicht mehr über "Lautstärke und martialischem Gehabe" Ausdruck zu verleihen. Nun fünf Jahre nach der Gründung ORPLID´s läßt sich meines Erachtens konstatieren, daß das Vorhaben die Lautstärke zu reduzieren erreicht wurde, jedoch das "martialische Gehabe" ab und an, sowohl in der Musik als auch in der Präsentation (Photos) bisweilen noch mehr als nur durchschimmert. Können Sie an diesem Punkt einfach nicht aus Ihrer Haut oder wie deuten Sie die Entwicklung?
UWE NOLTE: Musik und textliche Inhalte bedingen einander, und wenn es musikalisch einmal etwas wuchtiger zur Sache geht darf keine, in einem älteren "Interview" genannte und zudem individuell auslegbare konzeptionelle Verhaltensweise das Endresultat beeinflussen. Solche Dinge entstehen spontan! Oder hätte "Barbarossa" ein jungfernhaftes Elfenpersönchen trällern sollen? Für die Ebenmäßigkeit unserer Physiognomie ist alleinig Mutter Natur zur Verantwortung zu ziehen.

Ansonsten wüßte ich keine bessere Präsentationsform als die bisher gezeigte, denn schließlich haben wir ein ernstes Anliegen. "Coole beats and crazy pix" haben andere Musikformationen zur Genüge vorzuweisen! Sicher würden ein buntes Wollmützlein, ein schmuddeliges Armeewämsle oder ein kriegerisches Stachelarmbändchen unser starres und möglicherweise langweiliges Präsentationskonzept auflockern, aber bei uns soll alleinig die Kunst zur Geltung kommen.

Es ist schon putzig; Mitglieder verschiedenster Rockmusikgruppen beschmieren sich wahlweise mit Theaterschminke, Fäkalien oder Blut, tragen farbige Strapse nebst Kontaktlinsen, veranstalten skurrilsten Schnickschnack, posieren mit Gewehren auf veröffentlichten Bildern, propagieren wahrscheinlich aus Mangel an Selbstwert Haß und Gewalt- und niemand übt ernsthafte Kritik an solcherlei äffischem Gebaren. Scheinbar verletzen wir heutzutage ein gesellschaftliches Tabu; wir sind was Äußerlichkeiten anbelangt völlig normal! Als frischgebackene Amerikaner, um unseren ehernen Status endlich zu zerschmettern, könnten wir ja mal auf einem der nächsten Fotos eine riesige, rosafarbene Kaugummiblase machen.

Auf der Internetseite von ORPLID ist bereits das nächste Werk "Sterbender Satyr" angekündigt. Ich las, daß dieses Werk in Zusammenarbeit mit dem renommierten Dichter ROLF SCHILLING entstand oder noch entstehen wird (?). Können Sie uns dazu mehr verraten, mit vielleicht einigen erläuternden Worten zu ROLF SCHILLING, seinem Werk und wie es dazu kam mit ihm zusammen zu arbeiten.

UWE NOLTE: Zu einem Großteil sind die Aufnahmen zum erwähnten Werk bereits abgeschlossen, doch entstand es in Zusammenarbeit mit Uwe Lammla, einem großartigen Dichter, der gleichzeitig der Verleger Rolf Schillings ist. Es ist unmöglich (seine) Dichtung zu erläutern! Zu riesenhaft ist seine spirituelle Gestalt, um in einer Zeit, die des industriell gezüchteten, duckmäuserischen Zwerges bedarf, überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Leser muß seine Verse entdecken, muß auf die Reise gehen, mit ihm über den Ölberg, durch die hängenden Gärten Babylons wandern, gen Hyperborea, vorbei an der Queste; zurück zum Ursprung allen Seins...

Fakten zur Person, eine beträchtliche Auswahl an Gedichten sowie Bestellmöglichkeiten zu einzelnen Bänden findet man unter der Rubrik "Verweise" auf unserer Netzseite. Als Einstiegslektüre empfehle ich "Das Holde Reich"! Wer es lesend betritt und sehenden Herzens durchwandert, kehrt nicht mehr zurück...

Was für ein Anteil hat das Schul- und Erziehungssystem der DDR an dem, was Sie heute sind und somit letztendlich auch auf die Entstehung von ORPLID oder anders ausgedrückt, hätte ein Projekt wie ORPLID auch im Westen Deutschlands entstehen können, wieviel DDR haben Sie noch "in sich"?

UWE NOLTE: Zwar ist jenes Trauma, das die erschreckend militärisch straff organisierte tägliche Milchrationierung innerhalb des DDR-Schulsystems verursachte weitestgehend verdrängt und alle äußeren Würgemale, die das anbefohlene Pionierhalstuch hinterließ sind verheilt, aber unsere geschundenen Kinderseelen bluten weiter bis ans Ende unserer Tage. Wir tragen eine unergründlich tiefe Wunde in uns! Mit dem Blut jener schwärenden Wunde schreiben wir unsere wehmütigen Lieder...

Ihre Internetseite kündigt ebenfalls ein Kinderbuchprojekt an (es sind dort bereits Auszüge veröffentlicht worden). Bitte erzählen Sie uns mehr zu Idee, Konzeption und Fertigstellung?

UWE NOLTE: Ursprünglich sollten die Gedichte von einem befreundeten Musiker und Andreas Arndt (der Bruder Claudias) vertont werden, aber nachdem die Hälfte der Lieder im Kasten war, wollte besagter Musikus sich wieder in Rock´n Roll-Gefilden austoben, anstatt einmal im Leben wirklich innovativ zu sein. Andreas und ich wandten uns einem neuen musikalischen Projekt namens "Sonnentau" zu, während Claudia sich heimlich meiner Gedichte bemächtigte und fünf wunderschöne Bücher fertigte, für die wir aber bisher noch keinen geeigneten Verlag fanden. Es ist wie in der Musik; richtet man sich nicht nach "Trends", hat man es bedeutend schwerer!

Man erzählte mir, daß Sie aufgrund ihres überschäumenden Temperaments bisher bedenken hatten die Musik ORPLID´s im Rahmen eines Konzertes vorzustellen. Haben Sie sich diesbezüglich zu einer Entscheidung durchringen können und darf man fragen, was Sie schlimmstenfalls befürchten?

UWE NOLTE: Was man sich so alles erzählt vermag ich weder einzuschätzen, noch zu beurteilen, was ich aber schlimmstenfalls befürchte weiß ich genau; Ernüchterung! Sich an ein imaginäres Publikum zu richten fordert uns mehr, weil der allgemeine Geschmack doch nur ein Abbild der Selbstgefälligkeit blinder Konsumenten ist, bzw. anders gesagt; nur das Klischee wird bejubelt! Aber darum geht es uns nicht. Wir wollen uns kontinuierlich weiterentwickeln als Künstler, auch auf die Gefahr hin einige Hörer zu verlieren. Leute, die Dynamik, Innovation und künstlerische Tiefe suchen, werden Zeit unseres Schaffens zu uns halten, zumal sie gewiß sein können, daß wir nie halbherzigen Kram für sie bereithalten.

Eine BLACK Tradition diesmal leicht abgewandelt; als bekennender Heavy Metal Liebhaber möchte ich Sie fragen, was sind die besten Heavy Metal LP´s aller Zeiten und was halten Sie von der neuen MANOWAR LP (wobei ich jetzt nicht weiß, ob sie schon erschienen ist)?


UWE NOLTE: ...Blut sickert über meine Schläfen und mit ihm rinnen alle Erinnerungen an mein bürgerliches Dasein hinweg... Im Kampf ums nackte Überleben habe ich den gesamten Inhalt meiner Häwi-Meddel Plattensammlung vergessen, kann weder Namen nennen, noch eine Rangliste erstellen. Trotz aufopferungsvoller Wochen erbitterten Widerstandes scheint die Schlacht verloren zu sein! Ununterbrochen, mit nie erlittener Unbarmherzigkeit geifern die Trommelfell-Feuersalven der Panzerdivision Marduk. Infernalische Garbengesänge zerfetzen mein Gehör!

Ich komme nicht dazu meinen Kopf aus dem Schützengraben zu heben, um nach den maskulinen SanitäterInnen von Manowar zu schreien. Wahrscheinlich haben die sich wieder mit vollgemachten Lederwindeln, verborgen unter tarngrünen Haarnetzen irgend- wo verkrochen, um mit angstzitternder Fistelstimme Stoßgebete für das Wohl der Menschheit in die Nacht zu jaulen! Wird dieser blut- und gedärmgefüllte Schützengraben das Grab des Heavy-Metal werden? Als Antwort peitscht Leuchtspurmunition in den giftgrünen Schlachthimmel, dämonisch flammen Silhouetten auf, chthonische Schatten werden lebendig; die Panzerdivision Marduk holt zum vernichtenden Schlag aus...

Es ist bekannt, daß Sie ganz besonders die Dichtung FRIEDRICH HOELDERLIN´s verehren. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Sie mit ORPLID HOELDERLIN ganz ähnlich christliche und heidnisch-antike Mythen verarbeiten, drängt sich die Frage auf, ob HOELDERLIN auch in seinen religiösen, geschichtsphilo- sophischen Anschauungen direkte Spuren bei Ihnen und der Konzeption von ORPLID hinterlassen hat. Kurz, was bedeutet Ihnen HOELDERLIN und wie würden Sie das "Religiöse" bei ORPLID umreissen?

UWE NOLTE: Sie stellen eine sehr schöne, tiefgehende Frage, die ich aber kaum zu be- antworten weiß. Es ist eine Frage individueller Empfindsamkeit, die jeder, entsprechend der Tiefe seiner Lebenserfahrungen nach eigenem Ermessen beantworten muß. Hölderlins Wirken ist Religion und der gute Friedrich Schiller, wenn auch oft in diesem Zusammenhang zitiert, soll stellvertretend für mich mein Verhältnis zur Religion klarstellen;

Welche Religion ich bekenne?
Keine von allen, die du mir nennst. -
Und warum keine?
- Aus Religion!

Da Sie inzwischen auch als Dichter durchaus Anerkennung erfahren haben
und mehrfach bereits betonten, daß sich der Zustand einer Kultur auch an der Gegenwartsdichtung ablesen lässt, möchte ich Sie fragen, was Sie von neueren Entwicklungen der deutschen Dichtung halten, zum Beispiel ERNST JANDL? Und welche Gegenwartsdichter Sie empfehlen, einmal abgesehen von ROLF SCHILLING...


UWE NOLTE: Da es mir selber kaum zusteht Dichter genannt zu werden, darf ich genau genommen nicht über andere urteilen, doch gibt es scheinbar immer wieder kreative Geister, die sich auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen im Dschungel der zahllosen Möglichkeiten verirren; so geschehen bei Ernst Jandl! Ohne mich tiefergehend mit seinem Werk beschäftigt zu haben, ohne den historischen Kontext seines Schaffens durchleuchten zu wollen, gehe ich davon aus, daß er wie leider viele zeitgenössische Künstler nur die Zerstörung der Welt reflektiert, anstatt mit der Erschaffung einer geistigen Gegenwelt dem destruktiven Walten seiner Epoche entgegenzuwirken.

Letztendlich ist er aber alleinig für sein Werk und dessen Wirken verantwortlich und was er schuf, wird er nicht ohne triftigen Grund erschaffen haben. Auch wird er, unabhängig von meinem subjektiven Urteil, berechtigt- oder unberechtigterweise Verehrer und Freunde gefunden haben. Gibt es noch Dichter? Außer Uwe Lammla- dem ich mich ewig in Dankbarkeit verbunden fühle- und Rolf Schilling ist mir kein gegenwärtiger Dichter bekannt. Dafür scheint sich bei letztgenanntem Manne der hiesige Mangel an dichterischer Potenz zu kompensieren, denn in geradezu vulkanischer Sprache bricht seine Dichtung hervor. So nah am Vesuv baut niemand sonst sein Haus!

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Orkus 2002

Zwischen dem Debüt und dem Zweitling liegen „Geheiligt sei der Toten Name„, die „Das Schicksal„ ,die „Barbarossa„ E.P., welche sich doch sehr stark von dem aktuellen Material unterscheidet. Was war die Idee hinter dieser E.P.? Wurde das tanzende Volk erreicht oder gab es tatsächlich Tanztempel in der Republik die sich diesem hervorragenden Bewegungsstimulanten verweigerten?

Hinter keiner unserer Veröffentlichungen steckt eine konkrete Idee. Kunst entwickelt sich „aus dem Bauch heraus“, und ihr Entstehen bedarf keiner konzeptionellen Herangehensweise. Da ich mich bestenfalls in Halles heißesten Jugendklub namens „Palette„ aufhalte, wo größtenteils moderne Unterhaltungsmusik erschallt, und Frank absolut nicht das erbärmliche Dasein eines ambitionierten „Wochenendtouristen„ führt, vermögen wir beim besten Willen nicht einzuschätzen, inwiefern die Klänge von ORPLID zum Schwingen des Tanzbeines animieren können.

Die deutsche Klassik zieht sich wie ein roter Faden durch das lyrische Werk von „Nächtliche Jünger„, was alleine ja schon der Name Orplid andeutet. Auch hier wurden wieder ausdrucksstarke Bilder bemüht, stets mit einem Verweis auf die Mythologie. Besonders auffällig sind dabei diesmal die biblischen Referenzen („Erzengel Michael„ und „Maria„), warum wolltet ihr euch damit auseinandersetzen?

Zwar artikulieren wir uns ausschließlich in unserer Muttersprache, doch es ist nicht unbedingt nur die deutsche Klassik, sondern die Klassik schlechthin, welche ihre Spur im Werk von ORPLID hinterläßt. Mythen und Religionen aller Art entspringen einem einzigen Quell und ich habe als freier Mensch das Recht, ohne inszenierte Rücksicht auf herkömmliche Konfessionen, aus diesem Quell zu schöpfen, um mich nach eigenem Ermessen inspirieren zu lassen.

Schiller wurde auch bemüht. Was hat euch dieser olle Klassiker denn getan?

Human wie der gute Herr Schiller veranlagt ist, wird er wohl gutmütig zwinkernd aus dem Jenseits herunter blicken und den etwas saloppen Umgangston der Frage verzeihen. Ich schließe mich ihm notgedrungen an; Für mich ist „Das Mädchen aus der Fremde„ eines der schönsten deutschen Gedichte überhaupt. Es ist volkstümlich, doch voller Erhabenheit, vermag manches innere Bild zu erwecken.

"Stille" gab es doch schon vorher einmal, wenn mich nicht alles täuscht, warum ein Neuaufguß? Warum wurde das Stück nicht mit einem "Dance-till- you-puke-Remix" Emblem versehen?

Unsere Veröffentlichung mit irgendeinem „Kauderwelsch-Emblem„ zu versehen, erachte ich nicht als sonderlich sinnvoll! Natürlich wurde das angesprochene Lied schon einmal vertont- und zwar auf der „Lichttaufe- Liedersammlung„. Dort wurde es auch entsprech- end als Demo-Version für unsere nächste Langzeit-Veröffentlichung ausgewiesen.

Habt ihr überhaupt Hoffnung, daß der gemeine Hörer eure Texte verstehen wird? Die Pisa-Studie dürfte doch zumindest Zweifel wecken, ob der moderne Mensch überhaupt etwas mit den semantisch Verschlüsselungen diverser Mythologien anfangen kann ...

Ich finde es nicht zutreffend vom „gemeinen Hörer„ zu sprechen! Wer wirklich noch zuhören kann, der macht sich nicht gemein mit dem Heer dumpfer Konsumenten. Wir sind von uns aus gesehen nicht besser oder schlechter als andere Menschen und zählen uns zu keiner imaginären Elite! Kunstgenuß ist zudem nur bedingt eine Frage der Bildung. Jeder darf unsere klingende Botschaft entsprechend der Weite seiner Vorstellungswelt interpretieren. Das Resultat irgendeiner dekadenten Studie wird den Kreis unserer werten Hörer sicher nicht beeinflussen.

Beschäftigt ihr euch mit Traumdeutung? Viele Traumfragmente scheinen in euren Texten wieder aufzutauchen, zudem wird auch oft das Wort Traum verwendet, oder seht ihr diesen Terminus mehr im Sinne von „Vision, Ziel„?

Vor einigen Jahren im Jugendlager glaubte ein Zimmergenosse auf seinem Bettlaken, im fasrigen Geäder eines mehlfarbenen, ziemlich eindeutigen Fleckes, die Gesichtszüge seiner erträumten Dame erkennen zu können. Zwar konnte ich seinen Enthusiasmus nicht teilen, aber aus heutiger Sicht war dies der einzige seriöse und phantasievolle Versuch einer Traumdeutung.

Für mich ist Traumdeutung, jedenfalls so wie sie in der handelsüblichen Literatur angeboten wird, billige, meist esoterisch durchsetzte Nahrungsergänzung für den reizhungrigen, zivilisationsmüden Wohlstandsmenschen. Die Auslegbarkeit des Wortes „Traum„ in einem Vers richtet sich nach dem jeweiligen Kontext. Ich liebe es, den Traum als Wirklichkeit einer verschütteten, archaischen Welt zu verstehen.

Ein Kinderbuch aus Uwe Noltes Hand? Wie soll das aussehen? Den eigenen Kindersinn hinterfragend? Wo bleibt dann das Orplid-Kochbuch, die Orplid- Enzyklopädie, der Oplid-Duden, das Orplid-Drama und schließlich der Orplid- Roman?

Wahrhaftig; ein Kinderbuch! Da ist mal wieder in und um ORPLID etwas entstanden, was nicht so recht dem uns angedichteten Klischee der kulturpessimistischen Finsterlinge ent- spricht. Man mag es ja kaum glauben; Phantasie und Farbe treten dank Claudia Arndts liebevoller Arbeit in den Vordergrund. Orplid-Kochbuch, Orplid-Enzyklopädie, Orplid-Duden, Orplid-Drama und Orplid-Roman...

Alles zu seiner Zeit! Vorerst bin ich mit diesem anstrengenden ORPLID-Zwiegespräch zur Genüge ausgelastet, aber in absehbarer Zeit werde ich mich intensiver der Schriftstellerei widmen. Noch bin ich zu unreif, und es mangelt mir an der nötigen Selbstdisziplin, um einen Gedanken über die Länge eines Gedichtes hinaus weiterführen zu können. Ob es dereinst zu einem Roman reichen wird, weiß Wotan allein! Vielleicht drückt er mir gegenüber mal sein verbliebenes Auge zu, um mir im „blinden Vertrauen„ die Gabe der Geduld zu schenken?

Kommen wir einfach ohne Umschweife auf ein Thema zu sprechen, welches ihr sicherlich nicht gerne hört; Es ist verständlich, daß man bei Künstlern, welche bei Widmungen an Leni Riefenstahl und Julius Evola beteiligt waren, gewisse politische Einstellungen hinterfragen darf, oder wie sehen Orplid das?

Kunst hat einen eigenen Kosmos! Bei uns nach einer politischen Marschrichtung zu suchen, wird vom selben Erfolg gekrönt sein, als würde man an der Theke eines Bäckerladens getragene Damenunterwäsche bestellen. Um weiter im Händlerjargon zu sprechen; „Wir haben keine Politik im Angebot!“. Wenn wir politisch interessiert wären und uns entsprechend engagieren wollten, hätte ich gewiß keine Scheu mich zu einer konkreten Farbe zu bekennen! Ich verachte Massendoktrin jeglicher Art und bringe es, obwohl ich ein leidenschaftlicher Aquarianer bin, nicht mal fertig mich beim hiesigen Ichthyologenverein anzumelden, da mich lärmende Ansammlungen Gleichgesinnter seit jeher instinktiv anwidern.

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Gothicworld 2002

Hallo! Euch gibt es ja doch schon seit ein paar Tagen, aber für alle, die Euch noch nicht kennen (so auch für mich!), erzählt Ihr vielleicht mal kurz wie alles anfing? (Speziell auch solche Sachen, ob ihr eine klassische, musikalische Ausbildung habt! Was man bei Euren Stimmen und Eurer Musik ja fast vermuten könnte! Und warum gerade solche Musik und nicht etwas ganz anderes!)

Frank Machau und ich (Uwe Nolte) gründeten im Sommer des Jahres 1996 ORPLID, nachdem wir mit unserem metallischen Projekt RÜCKGRAT an unvermeidbare schöpferische Grenzen stießen, da sämtliche musikalischen und menschlichen Extreme ausgereizt waren.

Auf der Suche nach neuen künstlerischen Horizonten, noch mit jugendlicher Unbefangenheit gewappnet, entstand Lied um Lied, und während Frank emsig musizierte, mußte ich mich notgedrungen, weil man ja nun bei dieser Art von Musik zwangsläufig die Texte verstehen konnte, als Dichter versuchen. Im Winter des Jahres 1997 kam unser Debüt "Orplid" auf den Markt, welches später unter weitaus größerer Publizität und um drei Bonus-Titel bereichert nochmals von PROPHECY P. veröffentlicht wurde.

Streng genommen sind Frank und ich in jeder Hinsicht Autodidakten, was ja bekanntermaßen nicht unbedingt von Nachteil sein muß. Warum wir gerade solche Musik veröffentlichen? Wenn nicht wir, wer sonst?

Du sagst, dass Ihr mit dem Heavy Metal an unvermeidbare Grenzen gestoßen seid. Der Sprung ist ja schon ziemlich groß... Welche Grenzen loten ORPLID jetzt aus?

Heute, wie damals, nur unter Zuhilfenahme anderer musikalischer Mittel verfolgten wir nur ein Ziel; Verwirklichung nach bestem Gewissen. Aus diesem subjektiven Blickwinkel gesehen, gibt es keinen Unterschied zwischen unseren verschiedenen Schaffensphasen. Heute, wie damals loten wir unsere Grenzen nach diesem Gesichtspunkt aus. Letztlich ist es Aufgabe des Hörers, ein Urteil über Unterschied und Qualität zu fällen!

Mit Prophecy habt ihr ja übrigens ein kleines, aber sehr feines Label gefunden, das ja zum größten Teil sehr kreative Musikexperimente veröffentlicht, wenn auch oft aus dem Metall-Bereich. (Dornenreich, Bethlehem...) Sind die Leute von Prophecy auf Euch, oder Ihr auf sie zugekommen?

Potz-Blitz; ich dachte wir hätten es endlich geschafft bei einer großen Plattenfirma unterzukommen! Da muß ich gleich mal bei Herrn Koller anrufen, um eine sofortige Ausweitung seines Klangimperiums zu veranlassen! Ansonsten freue ich mich über den zunehmenden Erfolg von PROPHECY P. und unserer Kollegen. Die aktuelle Veröffentlichung von ANTIMATTER gefällt mir zum Beispiel äußerst gut.

Von unserer ersten Plattenfirma wurden wir zu PROPHECY P. vermittelt. Nach zaghaften Annäherungen auf telefonischem Wege, mischten sich neben den geschäftlichen Dingen schnell menschliche Töne in den gemeinsamen Dialog, der zum Gothic-Treffen, an der Bar der Moritzbastei zu morgendlicher Stunde in lyrischen Höhen gipfelte; Wir sangen gemeinsam Lieder von MANOWAR!

Ihr kommt aus dem schönen Städtchen Halle/Saale... kann man eigentlich sagen, dass die Umgebung, die Wälder, der Fluß, die wunderbare Altstadt eine ziemliche Auswirkung auf Eure Musik haben? Immerhin ist Halle eine sehr alte Stadt, und dann auch noch dieser kulturelle Background. (Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Bauhaus-Ableger!)

Die Aussage bezüglich unseres gemeinsamen Wohnsitzes ist leider nur noch zum Teil richtig, denn Franks Lebensweg führte vor längerer Zeit gen Dresden. Einen schöpferisch anregenden Hintergrund in der kulturell verödeten Saale-Metropole vermag ich nicht zu registrieren. An der genannten Kunsthochschule stellte ich meinen Adonisleib vor Jahren für eine Bildhauerklasse zur Verfügung, was aber nicht mir, sondern scheinbar nur einem heißblütigen Studentenmädel menschliche Impulse einbrachte, denn eine der Büsten fand sich eines Morgens mit zahlreichen Lippenstiftspuren verziert vor.

Im nachhinein habe ich mich geärgert, daß die holde Dame ihren fehlgeleiteten Trieb nicht an einer Statue ausgelebt hat, denn mich hätte wirklich interessiert, wo sich sonst noch Spuren ihrer heimlichen Leidenschaft vorgefunden hätten.

Burg Giebichenstein; dort herrscht, wie überall in Deutschland, der gleiche, jegliche Dynamik hemmende 68`er Lehrmief, um nicht vom allgemeinen Deutschen Krampf schlechthin zu sprechen, und meine kulturellen Exkursionen beschränken sich wegen des preiswerten Essens einzig und allein auf die schulinterne Mensa.

Ansonsten möchte ich, obwohl das eigentliche Herz meines spirituellen Reiches in Merseburg schlägt, den inspirierenden Einfluß der hallischen Gegend, der hiesigen Naturstimmungen und eines wunderbaren Heimatgefühls nicht verleugnen. Oft schlürfe ich im Gasthaus "Zum Mohr", auf dem Stammplatz des guten Herrn Eichendorffs genüßlich sinnend manch kühles Bierchen, wandere nächtens entlang der Saale, auf mir schon urvertrauten Wegen, die Novalis, Goethe und Tieck einst beschritten.

Der lokalen Legendenvielfalt haben wir übrigens längst unsere Ehrerbietung dargebracht. "Der Merseburger Rabe" und "Der Götter Gnade" wurden vor längerer Zeit in fast balladenhafter Sprach- und Liedform von ORPLID vertont. Leider ist letztgenanntes Stück nahezu unbekannt, obwohl es aus meiner Sicht - Frank wird es sicherlich anders sehen - eines der schönsten und wichtigsten Lieder unseres Repertoires ist. Inhaltlich geht es darin um den Freiheitskampf eines slawischen Fürsten, der sich der Zwangschristianisierung und geistigen Unterjochung während des Eroberungskrieges von Karl dem Großen widersetzte.

Ich habe mich wohl von meinen Erinnerungen hinreißen lassen... habe 1990 mal ein paar Wochen in Halle verbracht und hatte dort viel mit Studenten von der Burg zu tun. Fand das eigentlich sehr inspirierend, obwohl Du mit einem Recht hast!

Schon damals sagten die meisten von denen, dass die Kunsthochschulen oft genug handwerkliches Können und wirkliche Kreativität eher hemmen. (Was mich auch an diese Karikatur erinnert, in der Kunsthochschulen darauf hingewiesen werden, dass jeder abgewiesene Kunststudent ein zukünftiger Adolf Hitler sein könnte, und ob sie sich dieser Verantwortung wirklich stellen können!?) Aber zurück zu ORPLID!

Ist "Neofolk" ein bißchen auch eine Flucht aus der harten, realen, kalten Welt? Man gewinnt ein wenig den Eindruck, dieses Rückbesinnen auf alte Werte, Naturbeschreibungen voller Sehnsucht, von einer Natur, die es so ja doch gar nicht mehr gibt...Auch die Verwendung der deutschen Sprache, vor allem in ihrer sehr poetischen, fast alt klingenden Form. So, dass man eigentlich kaum noch unterscheiden kann, ob die Texte nun von Euch, oder alten Dichtern sind. (Was ich übrigens sehr bewundernswert finde!)

Flucht aus der Realität? Schon als halbwegs geistig gereifter Mensch lebt man in seiner eigenen Gedankenwelt, von welcher die sogenannte "Realität" bestenfalls nur einen Bruchteil einnehmen kann! Insofern stört mich die angeblich "harte, reale, kalte Welt" überhaupt nicht. Ich registriere sie nur! Inspirierender wäre es sicherlich für mich, wenn meine Umwelt tatsächlich hart, kalt und real wäre. Aber umher registriere ich nur Stagnation, bürgerliche Banalität, tausendfach sich wiederholende langweilige soziale Mechanismen samt ihrer stumpfsinnigen und widernatürlichen Regeln oder kulturelle Perversionen, die mich je nach Laune erheitern oder deprimieren.

Ich war noch nie ein sonderlich guter Akteur im gesellschaftlichen Schattentheater, habe es bisher noch nicht mal bis zum Besitz einer Fahrerlaubnis oder eines Funktelefons gebracht und bin hoffentlich mein Leben lang im positiven Sinne "weltfremd" genug, um fern des Konsumwahnes menschlich zu bleiben. Von einem Besinnen auf "alte Werte" im Zusammenhang mit ORPLID ist mir nichts bekannt. Ja, von "alten Werten" weiß ich wirklich nichts; eigene Werte streben wir an!

Mit den alten Werten meinte ich auch eher die textliche Ebene. Lyrics innerhalb einer Musik sind heutzutage genauso verschieden wie ihre Musik selbst. Oft genug nur klischeehaft, plakativ, oberflächlich oder kitschig. Genau das seid Ihr nicht!! Aber die Wortwahl, die Intonation, die Sprachbilder sind schon sehr klassisch, sehr "alt"! Du wirst ja nicht ohne Grund die oben genannten Dichter erwähnen.

Natürlich halte ich an den klassischen Sprachbildern fest; insofern hast Du recht! Jedoch würde ich meine Art der Sprache nicht "alt" nennen. Der zwangsurbanisierte Mensch hat es schlichtweg vergessen, daß (unsere) Sprache einen sinnvollen Klang hat.

Ich werde jetzt mal ein Stück provokanter! Du erwähnst die Stagnation, die Banalität, die langweiligen sozialen Mechanismen... usw. Müsstest Du dann nicht kritischere, härtere Texte schreiben?

Ist es nicht doch eine Flucht in die Poesie, in die Schönheit der Natur, die man ja gerade an der (Leider!) völlig verseuchten Saale nicht mehr so erlebt. Was inspiriert Dich nun? Du hast in einem anderen Interview erwähnt, dass Du jetzt auch als Schriftsteller aktiv werden wirst. Hat Dich das Schreiben jetzt gepackt? Wenn ja, was genau daran? (Ich stelle diese Frage, weil ich ja selber schreibe! Gedichte, Geschichten, Prosa, einen Roman.... nicht nur diese Reviews und Interviews!)


Ich inspiriere mich trotz aller äußeren Einflüsse letztlich selber, denn wie ich schon in einer vorherigen Antwort bemerkte, lebt jeder halbwegs geistig gereifte Mensch in seiner eigenen Gedankenwelt. Das heißt, daß er im Kreis SEINER REALITÄT durchs Leben schreitet. Warum sollte ich MEINER REALITÄT entfliehen, mich in schöngeistige Gespinste einweben und meiner Verantwortung als Mensch und Künstler entsagen? So wie ich die Dinge sehe, gebe ich es auch wieder!

Allerdings verleitet mich diese Sichtweise auch zu manchem lyrischen, möglicherweise "sozialkritisch" zu nennenden Ausrutscher, wie nachstehendes Gedicht beweist, das nach dem fruchtlosen Besuch einer Diskothek entstand und hoffentlich nicht wegweisend für meine zukünftige schriftstellerische Arbeit ist;

Lebensweisheit

Ich bin der Aljoscha und komme aus Wedding;
Das liegt irgendwo an der Spree.
Ich geh gern auf Partys und mache dort Petting,
Weils fetzt und es tut keinem weh!

Damit du echt lässig auch funny kannst werden,
Geb ich dir mal jetzt einen Tipp;
Du mußt, wenn du geil sein willst ohne Beschwerden,
Erst cutten den störenden Slip!

Befummle die Puppe, umgrapsch ihre Hüften,
Erspar dir bloß jedes Trara,
Sei einfach nur easy, dann kannst du auch lüften
Den totchicen Push-Up BH.

Und fehlt ihr der Busen, dann werde nicht stutzig,
Dann kuschle dich fester noch ran,
Im Partygedränge, voll krass, aber putzig,
Begegnet dir auch mancher Mann.

Kann sein, daß es cool ist, dich wird keiner dissen,
Die Liebe ist frei- oder so,
Vielleicht geht ihr später noch freundschaftlich pissen
Und raucht einen Joint auf dem Klo?

Neben den Natur- und Stimmungsbeschreibungen, finden sich vor allem auch eine Menge religiöse Themen auf Eurer aktuellen CD. Welchen Bezug habt ihr zu diesem Thema? Ist es nur eine Art von Faszination, Mystik, ein Spiel mit Symbolen und Metaphern oder wirklich ein religiöser Hintergrund? (Womit ich nicht die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, Kirche und/oder Sekte meine!)

Ich bin ein zutiefst religiöser Mensch! Schon seit meinen frühesten Kindertagen bete ich eine fernöstliche Gottheit an, die in den ehrwürdigen Schriftrollen des weisen Aquarius oftmals M. OPERCULARIS genannt wird. Kaum, daß er mich in einer tagtraumhellen Vision azurnen Auges verzauberte, ließ ich mir von meinem Vater einen gläsernen Altar bauen, goß geweihtes Wasser hinein und besorgte mir mit feierlichem Schweigen alle, für die alltäglichen Riten benötigten Devotionalien. Männlichkeit und Kriegertum verkörpert dieser kämpferische Geselle.

Er behütet mit flammenroten, geschupptem Harnisch, bereit bis zur Selbstaufopferung zu kämpfen, das Mysterium seiner Schönheit! Wenige Eingeweihte wissen; Wer seiner kosmischen Ästhetik erlag, der verharrt gleich mir in kindlicher Andacht Abend für Abend und betet wortlos im Bannkreis paradiesischer Stille...

Zynismus? Ironie? Ich bin etwas erstaunt! Einerseits prangerst du fehlende Kreativität, den Deutschen Krampf an.... dann bedingungslose Hingabe an einen Gott? Mit Altar und allem? Oder doch "alte Werte"? Männlichkeit und bedingungslose Opferbereitschaft, um im Bannkreis paradiesischer Stille andächtig zu verharren? Wofür opfern? Was ist es heutzutage wert um sich ihm zu opfern? Liebe? Götter?

Auch hatte ich bei den Texten eher den Eindruck, dass es sich schon um sehr christliche Motive handelt. Was ja auch nicht schlecht ist. Deswegen sagte ich auch, dass ich nicht die Zugehörigkeit zu irgendeiner Gemeinschaft meinte, da Kirchen, Sekten, religiöse Gemeinschaften eigentlich nie irgendetwas mit dem zu tun haben, was ich unter Religion, unter GLAUBEN verstehe! Vielleicht vertiefst Du das doch noch etwas?


Mein unerschütterlicher Glaube an das, was M. OPERCULARIS verkörpert, spielte beim Schreiben der Texte zu unserer aktuellen Veröffentlichung nur eine hintergründige Rolle. Mehr kann und darf ich zu IHM, der wie ein Fixstern am Himmel meiner persönlichen Mythologie flammt, nicht sagen...

Jetzt noch ein etwas heikles Thema: Ich muss zugeben, dass ich als ich das erste Mal Euer Foto in der aktuellen CD sah, etwas schlucken musste. Ich bin nun wirklich nicht einer von denen, die das Beschäftigen mit alten, germanischen Mythen, mit Runen und ähnlichem gleich mit Rechts gleichsetzen.

Aber gerade die Neofolk-Szene hat ja dank solcher Bands wie Death In June oder Sol Invictus, oder auch J.M. Klumb immer wieder mit dem Vorwurf der rechten Nähe zu kämpfen. Muss man das durch solch ein Outfit noch unterstützen? Was steht eigentlich auf Euren Koppeln?


Mein geistiges Auge schweift über das in morgendlicher Blüte duftende Antlitz meiner Herzensdame, in dessem schimmernden Liebreiz sich goldene Rasta-Schlangen sonnen... Wir tranken heute, beim gemeinsamen Frühstück Kaffee aus dem "Eine Welt Laden", lauschten den Klängen von Bob Marley und schwebten träumend über die Kringel des im Raum wallenden Zigarettendunstes in eine bessere, friedlichere Welt! Bin ich jetzt rehabilitiert, frei von sozialer Ächtung?

Zudem wüßte ich nicht, daß ORPLID germanische Mythen zum Mittelpunkt ihres Schaffens erkoren oder jemals eine ihrer Veröffentlichungen mit einer Rune verziert hätten, auch wenn dieses langweilige Klischee-Gehabe sicherlich verkaufsfördernd gewesen wäre.

Frank und ich treiben Sport, lassen uns regelmäßig die Haare scheren und unser Habitus entspricht dem uns eigenen, durch Lebenserfahrungen gewachsenen Naturell. Was gibt es daran auszusetzen?

Warum sollen verschiedene Frisuren, verschiedene Kleidungsarten sowie verschiedene Weltanschauungen ein heikles Thema sein? Die Welt bedarf der Vielfalt! Alle lautstark gepredigten, wurmstichigen Moralkonstrukte des schwächlichen Zeitgeistes werden brechen! Wahre Kunst lebt und atmet losgelöst von dieser Gesetzmäßigkeit in ihrem eigenen Reich.

Wenn in zehn oder zwanzig Jahren ein anderes Meinungsregime in Deutschland oder Europa herrschen sollte, werden wir uns ebenso auf die Souveränität unseres Schaffens berufen, während die heutigen Kinder der Dekadenz, die sich aus menschlicher Orientierungslosigkeit als ehrenamtliche Moralapostel verdingen, aller Wahrscheinlichkeit nach wieder mit den Wölfen heulen werden. Sei es drum; jeder muß wissen, was er sich wert ist und welcher Idee er sich verpflichtet fühlt! Wir fühlen uns nur ORPLID verpflichtet!

Im übrigen höre ich meistenteils grausigsten Black Metal, und obwohl die Interpreten besagten Musikstils zweifelsohne die modische Eleganz einer kotbeklecksten Scheißhausfliege aufweisen, kümmert mich deren Kleiderordnung herzlich wenig, denn schließlich ist es doch die MUSIK, welche mein Blut in Wallung geraten läßt.

Was auf unseren Koppeln steht? Franks Hüfte ziert zur anerzogenen Zufriedenheit vieler Bundesbürger folgender, allseits beliebter und sicherlich als lebensbejahend einzuschätzender Spruch: "Wir alle sind Amerikaner!", während auf meiner mondbeschienenen Koppel grasend das Einhorn steht, wild und unzähmbar, keiner irdischen Wertigkeit untertan! Wer es fangen, und das letzte Geheimnis um ORPLID ergründen will, der leitet das Ende der Welt ein. Dies als Warnung an alle Neugierigen!

Wie schon erwähnt, ich gehöre sicherlich nicht zu denen, die... auch das mit den germanischen Mythen war nicht wortwörtlich gemeint... aber ein bisschen Provokation von Seiten der "Journallaie" sollte schon sein, außerdem denke ich, dass viel, viel mehr genau den selben Gedanken haben und wollte hiermit auch die Chance zur Erklärung bieten. Sag jetzt bitte nicht, dass es Euch egal ist, was andere denken und ihr nichts erklären wollt. Dann könnte ich auch Anna Varney interviewen!!

Wer, bei Wotan, ist Anna Varney?
Ich verstehe schon, was Du mit der angestrebten Vielfalt, Kreativität und eigenen Meinung, sich scheinbar widersprechender Weltanschauungen meinst. (Ein Freund von mir, ein sehr guter, hat lange Haare, sieht wie ein alter Heavy aus, arbeitet für die PDS und steht auf Neofolk. Er musste sich schon auf einer Parteiversammlung mit Death In June als Begründung in die rechte Ecke stellen.) Meiner Meinung fördert Provokation ja auch Gedankenaustausch (jedenfalls bei normalen Menschen, mit etwas Geist und Intellekt!), was ja dann auch wieder kreativ ist und uns weiterbringt.

Aber weg von dem Thema! Genügend ausgereizt! Wie geht es weiter mit ORPLID? Ein paar Live-Auftritte sind ja wohl schon in Planung. Da ich Euch (leider!) noch nicht live gesehen habe... was erwartet uns?

Vorerst mache ich mit meinem Rasta-Mädchen Flitterwochen auf Jamaika, um mich im unergründlichen Labyrinth der Korallen und sinnlichen Freuden zu verirren. Nach meiner eventuellen Rückkehr werden Frank und ich nach alter Manier weiter arbeiten. Großes wird unsere geschätzte Hörerschaft erwarten. Es gibt nichts Erhabeneres, als mit seiner Kunst zu reifen. Sicherlich werden auch irgendwann Bühnenpräsentationen Teil dieses Reifungsprozesses sein - dies sind wir unseren Hörern schuldig!

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Du bist Orplid, mein Land ! Das ferne leuchtet; vom Meere dampfet dein besonnter Strand den Nebel, so der Götter Wange feuchtet. Uralte Wasser steigen verjüngt um deine Hüfte, Kind ! Vor deiner Gottheit beugen sich Könige, die deine Wärter sind. Weylas Gesang, so der Name dieses Gedichtes von Eduard Mörike ( 1804 - 1875 ), das von seinem erdichteten Land der Sehnsucht, Orplid, berichtet. Orplid, so auch der Name einer Band aus Sachsen Anhalt, deren Debüt dieser Tage wiederveröffentlicht wurde. Das diesem mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde als bei seiner Erstveröffentlichung vor drei Jahren, davon zeugen Interviews in diversen Publikationen, deren Fragen Orplid mit ironischer Wortgewandtheit zu beantworten wissen. Eine weitere Kostprobe dessen folgt auf den nächsten Zeilen.

Welche Gefühle haben Euch damals bei der Entstehung der CD bewegt und was fühlt Ihr heute, wenn Ihr die Lieder wiederhört ?

Wir betraten damals in jeder Hinsicht Neuland. Rückgrat, unser Musikprojekt härterer Gangart, ging im Spätherbst unserer Jugend in die Brüche. Menschliche Leidenschaft, musikalische Intensität sollten sich von nun an nicht mehr über Lautstärke und martialisches Gehabe definieren. Das Gefühl einer großen Herausforderung, einer bis dahin verleugneten Verantwortung gegenüber der eigenen Kultur spornte uns an. Manche Ansätze waren gut, geprägt von jugendlicher Spontaneität, aber inzwischen vergingen einige Jahre des Reifens, welche eine gewaltige Distanz zu unserem Erstlingswerk schufen. Erinnerungen, schöne Erinnerungen an Zeiten voller Unbefangenheit blieben, mehr nicht.

Welche Einstellung habt Ihr zu der strengen Limitierung von Tonträgern, wenn es sich nicht gerade um Vinyl-Veröffentlichungen handelt ? Trägt dies nicht auch zu einer Herausbildung einer "Elite" bei, die sich, in Anbetracht der Preise für manche Tonträger, vielleicht nur über den Geldbeutel definiert?

Eine "Elite" die sich über den Geldbeutel definiert, ist keine "Elite"! Über Limitierungen oder Vinyl-Veröffentlichungen habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, jedoch kann ich es persönlich nachvollziehen, wenn sich jemand über den Besitz gewisser Raritäten erfreut. Daran gibt es nichts zu deuteln oder zu befürchten. Letztlich bestimmen ohnehin Angebot und Nachfrage die Stückzahl der Limitierung und es ist fraglich, ob man unter diesem Gesichtspunkt überhaupt noch von Limitierung sprechen kann!

Von Shell wurde eine Studie über die Jugend in Ost- und West-Deutschland finanziert. In einer Pressekonferenz wurden die westlichen Jugendlichen als "Schnarchsäcke" bezeichnet. Eure Meinung / Erfahrungen zu diesem Thema.

Das kann ich, von einigen Ausnahmen abgesehen, nur bestätigen! Zwanghafte Vernunft, Instinktlosigkeit und seelische Sterilität sind die quaddelartigen Erscheinungsbilder des "Bakteriums Mensch" im Reagenzglas westlichen Wohlstandes.

Es ist eine eigenartige Spezies, welche stets Wörter wie: "quasi"; "sorry" oder "definitiv" im Munde führt, aber sonst kaum etwas zu sagen hat. Emotionale Empfindungen zerschellen an der Innenwand einer anerzogenen Fassade. Traurig, traurig! Jede Jugendgeneration muß sich aus dem Netz sozialer Tabus und staatlicher Bevormundung befreien, um ihrer Epoche später Impulse verleihen zu können. Wahrscheinlich sind Wohlstand, Reisefreiheit und halblegaler Drogenkonsum festere Fesseln am ungestümen Leib der Jugend, als Staatsicherheit, Grenzmauer und Pionierorganisationen.

Wir hatten es bedeutend einfacher! Wir wußten schon früh, weil wir "mit denen da oben" nichts am Hut hatten, daß es nur eine Freiheit, die innere Freiheit geben kann. Die Freiheit des Westens gleicht dem Bewegungsfreiraum einer sommerlichen Rinderweide. Alles ist grün und saftig, die Kühe sind zufrieden und fett, bespringen sich nach Belieben, aber im Herbst kommt der Schlachter...Der Verkauf der eigenen Seele ist vorprogrammiert, Europa kommt über uns, wir sind modern!

Die Muttersprache ist sicherlich Teil der eigenen Identität und deren "Pflege" scheint Euch auch sehr wichtig. Wie sinnvoll erachtet Ihr z.B. eine Behörde in Frankreich, die die Regulierung ausländischer Begriffe im französischen Wortschatz zur Aufgabe hat?

In diesem Falle scheint der Staat seiner eigentlichen Aufgabe, dem Schutz der eigenen Kultur nachzukommen. Natürlich treibt dieses Vorhaben auch seltsame Blüten, denn, wenn ich recht informiert bin, ist selbst das Wort "Computer" auf der Liste der geächteten Wörter. Ich persönlich meine, daß man für diese kleine, graue Schatzkiste nicht zwanghaft einen Namen in der eigenen Sprache finden muß.

Manches auf Erden sollte man als gegeben hinnehmen. Jedoch wünsche ich mir für unser Land einen Staat, der bezüglich der eigenen Identität Verantwortung übernimmt, statt sich als Bauernfigur im geldorientierten Schachspiel nordamerikanischer Finanzmächte mißbrauchen zu lassen. Der bildschirmgerecht inszenierte Krieg gegen Jugoslawien, war teuer bezahltes virtuelles "Fastfood" für den domestizierten Körper Europas. Auch Deutschland war wieder auf Abruf "fit for fun"!

Eure Meinung zur Rechtschreibreform.

Völliger Mumpitz! Im Augenblick bin ich nur am Fluchen, weil sich beim Schreiben am Rechner meine Rechtschreibung "selber reformiert". Wer sich solchen Blödsinn ausdenkt, sollte seine Reform, nicht wie Luther an eine Kirchentür, sondern mit einem möglichst großen Nagel an die eigene Stirn nageln.

Nach welchen Kriterien habt Ihr das Gedicht "Das Schicksal" von Friedrich Hölderlin gekürzt?

Dieses wundervolle Gedicht durfte als Lied nicht zu langatmig werden. Daher mußten wir uns auf die Kernaussage beschränken. Wer sich ernsthaft mit diesen Zeilen auseinandersetzt, nicht nur dumpf die Klänge unserer Musik konsumiert, der kennt ohnehin die vollständige Version.

Welches Gebäude in welcher Stadt zeigt das Cover?

Auf dem Frontbild unserer Wiederveröffentlichung ist die Silhouette des Merseburger Schlosses zu sehen. An diesem Ort steht die Wiege unserer Nation, unserer Kultur! Von dort zogen, erstmals vereint, die deutschen Stämme in die Schlacht. Das Volk der Hunnen galt es zu vertreiben! Außerdem lagern im dortigen Archiv die weltberühmten Merseburger Zaubersprüche. Das sind die zwei Gründe, welche zur Motivwahl beitrugen.

Welche Bedeutung, Chancen und Gefahren seht Ihr im Internet und seiner Entwicklung?

Das Internetz ist ein Medium wie jedes andere auch. Schließlich gibt es auch gute und schlechte Bücher. Allein von der persönlichen Zielstellung des Einzelnen hängt es ab, ob menschliche Bereicherung (Kommunikation) oder seelische Verarmung (Konsum) Folgen der Internetnutzung sind. Ich werde demnächst einige Lieder von Orplid, Texte und Bilder in den digitalen Strudel des Weltnetzes gießen. Hoffentlich gehen sie nicht "sang- und klanglos" unter!

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