|
|

|
|
|
Nacht für Nacht der gleiche Traum; Du entrückst mit Rabenschwingen, Um den Weltschlaf zu bezwingen, Frei, in Stürmen, ohne Zaum, Die vom Untergang nur singen.
Immer wieder fliegst versehrt Du, umschart von Blitzkohorten, Auserkoren, weit nach Norden, Der selbst dir sein Heil verwehrt, Lichtumtost, zu Blashyrkhs Fjorden.
Deine Wiege ist ein Reich, Keiner Hoffnung je verfallen, Wo des Sonnenadlers Krallen Leuchten, von des Fisches Laich Unbefleckt, in Ymirs Hallen.
Nur da fühlst du heimisch dich; Wo im Schnee Dämonen krächzen, Wo die Schatten nach dir lechzen, Wo noch Wälder, winterlich, Traute Runenlaute ächzen.
Dort wachst du allein! Den Zorn Deiner Götter fühlst du schwären. Schon hat Heimdall auf den Schären Laut geblasen in sein Horn; Wolfszeit will dein Traum gebären.
Eis wird wachsen, überall, Wo Krieg hauste in den Gauen. Wunder Leiber Veitstanz schauen Wirst du, wenn der Sterne Fall Grell entlarvt der Städte Grauen.
Bald auch über deiner Stadt Werden, deinem Traum entstiegen, Augenlose Engel fliegen, Um sie, nimmer flügelmatt, Brennend in den Schlaf zu wiegen.
Doch dich schreckt ihr Antlitz kaum, Ihres Wütens rotes Schäumen. Trümmer deinen Schlaf besäumen; Nacht für Nacht den gleichen Traum Wirst auch du in Asche träumen.
Uwe Nolte
|
 |
|
|
|
|
Im Traum erwachte ich im Krieg, Sperrfeuer mich umschloß. Ich kroch und rannte, sank und stieg; Von überall man schoß.
Nach meiner Mutter rief ich laut, Vom Gasdämon gehetzt; Schon hatten Kugeln mir die Haut Vom Schädel abgefetzt.
Ich schleppte weiter mich und schrie; "Wir könnten Brüder sein!" - Als Antwort einer Batterie Geschosse schlugen ein.
Rauch, Brand, Gestank, Metallgekreisch Ihr dunkles Heil verspien, Entrissen brüllend mir mein Fleisch; Die Sonne nicht mehr schien!
Da war ein Streif aus Mohn, gesät Vom Himmel und ich sprang Auf sein purpurnes Sammetbeet, Mir war, als ob er sang;
"Ich bin wie du! Wir beide sind Verloren, blutig, klein, In fremdem Land nur Rauch im Wind. Jetzt kehre bei mir ein.
Mein Duft soll sein dein letzter Kuß, Mein Atem deckt dich zu, Bald hörst du weder Schrei, noch Schuß, Nun schlafe, schlafe du."
Preis gab der Himmel einen Spalt, Zwei Schwalben flogen tief, Ich weiß nicht ob ihr Gruß mir galt - Ich sah sie an und schlief.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Einsam ragt sie in die Klage Aller Traumhimmel verzweigt. Stehen Tag und Nacht in Waage Starrt sie, rankend aus der Sage Räume in die Welt und schweigt.
Um sie Herbstfeuer nicht prasseln. Nur Verwesung herrscht im Staub. Wenn die Früchte nieder rasseln, Stören sie den Schlaf der Asseln Kaum im schimmelfeuchten Laub.
Süße Faulgerüche schweben Über Panzer von Chitin. Einer Biene Flügel kleben Starr vom Harz. Bald wird verweben Duft auch diesen Assassin.
Abschied will das Bild verheißen; Moos, das sonst nur westlich späht, Hat rundum den Stamm mit Schneisen Übertüncht, von moderweißen Flechtenschleiern mild umweht.
Morsch der Ast ist, an dem senkte Runenweisheit sich ins Herz. Weit, weit fort ging der Gehenkte. Wohin er die Schritte lenkte, Weiß die Krone; schattenwärts.
Nichts! kein Wunsch nach neuem Reifen Keimt im dunkelnden Myzel; Sporenflug in engen Schleifen Über Wurzeln kreist, die greifen Schon ins Nebelhaar von Hel.
Abendwind will noch betunken Golden alle Zweige, als Sänge letztmals er bewunken Von den Sommern, farbentrunken, Feierlieder des Verfalls.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Spürt, bis ins Herz eurer friedlichsten Tage, Söhne des Staubs meinen knirschenden Schritt, Wenn ich mit rauschendem Fittich zerschlage Sanftes Getier, das mich liebend erlitt.
Schöner als Gott und die himmlischen Heere, Reiten wir, Engel vom Unteren Reich, Silbernen Hufs durch die steinerne Leere, Städte, schon morgen dem Erdboden gleich.
Muschelgehäus, das ich lachend zerstöre, Panzer aus Kalk, meinem Eifer geweiht, Dorrender Austern arkadische Chöre Tönen, zum Untergang heiter bereit,
Göttern, die klagend in Sümpfen versanken, Holdeste Botschaft verkündigend: Stirb! Beute dem zärtlichen Hieb meiner Pranken, Krümmt sich ein Engel mit zähem Gezirp.
Falken, die heiligen Werke zu segnen, Zucken am Himmel, den Blitzen zum Raub, Feuer wird fallen und Asche wird regnen, Schlangen, sich sonnende, spielen im Staub.
Nichts, nur der Schutt soll den Tag überdauern. Dies meine Botschaft - nun geht, und viel Glück! Fern eurem Traumgelall, fern eurem Trauern Trägt mich mein Fittich ins Chaos zurück.
Rolf Schilling
|
|
|
|
Weder Gott, noch Tier; ein Feuer Jäher Leidenschaft war ich, Hetzte sommers Abenteuer, Als ich durch die Wälder strich, Scheute weder Wein, noch Fehde, War ein froher Knecht der Hast, Ach, in meinem Herz war jede Ungestüme Lust zu Gast.
Namenlose Zechgefährten Bannten mich in ihren Troß, Dornen meine Lippen sehrten, Frucht um Frucht ich blind genoß, Flog von Rausch zu Rausch dem Fleische Zugetan, das ich verschlang, Huldigte dem Brunftgekreische; Meine Flöte dazu sang!
Jetzt, beschenkt mit weiser Gabe Blumenleichter Kindlichkeit, Ich mich an den Stunden labe, Die der Stille sind geweiht. Einmal noch darf meiner Flöte Unbeschwertes Sommerlied Jagen nach der Morgenröte, Jubeln über welkem Ried.
Du, mein Lied, sei Meeresrauschen, Wie ein Falkenschrei entflieh! Innehaltend will ich lauschen Deiner wilden Melodie. Flieg, mein Lied, entfliehe heiter Tönend ostwärts; ich bin alt, Fliege ohne mich nun weiter, Meine Tage enden bald.
Morsch ist mein Gehörn geworden, Stumpf und starr mein Nackenhaar; Schon zu oft nahm allerorten Abschied ich von jedem Jahr. Müde bin ich! nach durchzechten Sommern trauter Kraft beraubt, Möchte nur auf Moos und Flechten Betten mein ergrautes Haupt.
Zwischen raunenden Zypressen, Sanft entzweit von wirrem Ziel, Will entschlafend ich vergessen Aller Freuden Schattenspiel. Rieseln soll im Herbst aus meinen Augen alter Wege Staub, Fern von meiner Jugend Hainen, Unter moderweichem Laub.
Wo ich über Rosenhecken, Fliegenpilz und weißen Klee Lüstern tollte, soll bedecken Letzte Spuren hoher Schnee. Sinken meine Augenlider Und mein längster Traum beginnt, Führt Äonenschlaf mich wieder In des Rausches Labyrinth.
Wenn der Nächte Sternenschimmer Mich vergiftet, wie einst Wein, Werde trunken ich für immer Schmerz und Lust entronnen sein, Werde folgen, ohne Alter, Frei von meiner Sinne Trug, Leichter gaukelnd als ein Falter, Meines Liedes Vogelzug.
Uwe Nolte
|
 |
|
|
|
|
Rauhreif kam zur Nacht; fast gläsern Wirkt im Lichte welker Farn, Lautlos riß auf Laub und Gräsern Reifen Herbstes rotes Garn.
Wo an Sommertagen blitzte Klaren Taues Silberschein Am erblühten Morgen, ritzte Erster Frost sein Zeichen ein.
Schnitt je tiefer seine Klinge, War sein Mal seit je so weiß, Trägt der Kälte starre Schwinge Nur verderbliches Geheiß?
Mit des Alters Demut neigen Krumme Ebereschen sich Ihrem Schatten zu und schweigen, Schweigen, schweigen winterlich...
Wind kommt auf; die losen Reste Ihres Laubes er verweht, Haucht im Labyrinth der Äste Ein verlorenes Gebet.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Dein Amt ist groß, vielleicht zu groß, Oh, Herr der Abendstunde, Zu bluten ist dein altes Los Aus mir vertrauter Wunde. Hingst du am Baum neun Nächte lang, Bringst du des Heilands Blut? Ich weiß nicht wer dich je besang, Ich weiß nur; du bist gut...
Des Tages Splitter, tief in mich Versenkt, läßt du entflammen Und fügst sie ernst und feierlich Zu einem Bild zusammen. Im Wellenspiel dein Atem lebt, Rubinen er es tönt, Wenn Wipfel, Wolken er verwebt, Sind All und Welt versöhnt.
Bald naht die Nacht; sie dich liebkost Mit mütterlichen Händen. Geh mit ihr, Herr, dein großer Trost Wird sich nicht von mir wenden; Ich sah in deinem Angesicht, Mir traut, der Sterne Schein Und werde irgendwann ein Licht Von ihrem Lichte sein.
Uwe Nolte, gewidmet Julius Zeyer
|
|
|
|
Nach den winterlichen Träumen Ferner Nächte, unter Bäumen, Mich der späte März gebar. Ungetrübt, befreit vom Eise Sprudelt meine Quelle leise, Grüßt mit Murmelklang das Jahr.
Ihres Wassers Frühlingssegen Waltet heimlich; Bäume regen, Kräuter, Sträucher schmücken sich. Duft entströmt dem Heiligtume Jeder aufgeblühten Blume, Farben sprühen feierlich.
Käfer, Falter und Libellen Schwirren wolkendicht um Quellen, Funkeln in gelebter Pracht. Überall erklingen wieder Frohe, mir vertraute Lieder; Meine Schwestern sind erwacht!
Von dem Grat der Wolkenhänge Hallen wider die Gesänge, Streuen ihre lichte Saat. Melodien uns umwogen; Ist der Frühling erst verflogen, Bald das wilde Einhorn naht.
Brennen Tage sonnenlüstern, Weht es mit geblähten Nüstern In den Traum, der uns umsäumt. Ungestüm, dem Licht verfallen, Stürmt es durch des Himmels Hallen, Von Gebeten ungezäumt.
Wo sein Huf berührt die Wiesen Fingerhut und Pilze sprießen, Reckt sich auf der Rittersporn. Funken roten Mohnes ranken Leuchtend sich um seine Flanken, Glimmen auf dem Silberhorn.
Seiner Augen Sternensiegel Ist der Sommernächte Spiegel, Färbt die Weiten irrlichtblau, Und wir preisen es mit Tänzen, Samten seine Fährten glänzen, Früh am Tag im Morgentau.
Jede Wiese wird ein großes, Morgenrotes, uferloses, Tiefes Diamantenmeer. Auf den schaumgekrönten Wellen Jagen wir vereint dem hellen Einhorn jauchzend hinterher.
Schwestern, keiner wird es glücken, Halt zu finden auf dem Rücken, Wenn es unserm Traum entflieht, Doch verlohte Wünsche glühen, Werden mit dem Sommer blühen, Den das Einhorn uns beschied.
Noch entzweit uns zages Bangen, Schwestern, noch sind wir gefangen, Noch besingen wir den März. Nur die Lieder, die uns binden, Wallen freier in den Winden, Treiben lockend abendwärts.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Auf deine Lider senk ich Schlummer, auf deine Lippen send ich Kuß, indessen ich die Nacht, den Kummer, den Traum alleine tragen muß.
Um deine Züge leg ich Trauer, um deine Züge leg ich Lust, indes die Nacht, die Todesschauer weben allein durch meine Brust.
Du, die zu schwach, um tief zu geben, du, die nicht trüge, wie ich bin - drum muß ich abends mich erheben und sende Kuß und Schlummer hin.
Gottfried Benn
|
|
|
|
Python starb! und wo sein Blut In des Styxes Schattenflut Giftig schäumend sich ergoß, Unser Traum der Nacht entsproß.
Dort umarmten wir den Tod! Unserer Gedanken Lot Senkten wir berauscht in sein Uferloses Meer hinein,
Wurden Schläfer, wurden Staub, Wurden seiner Fänge Raub, Sanken tief in seinen Schoß, Wurden, gleich ihm, schicksallos.
Früh erblindet und erstarrt, Noch von Hoffnungen genarrt, Glaubten wir an Wiederkehr, Sanken tiefer, wehmutsschwer,
Nur der Traum, in stummer Not, Uns geheime Obhut bot. Jeder Tag, der uns umwarb, Wurde Abend und erstarb,
Wurde Traum im Traum, der spät Heilsam unser Haupt umweht. Später Traum! wir folgten dir, Letzte, seligste Begier
Wecktest du. Verheißungsvoll Trat in deinen Kreis Apoll, Spannte seinen Bogen und Zielte lächelnd, tat uns kund;
"Ihr! mit Nacht und Traum vermählt, Weicht nicht! ihr seid auserwählt; Wenn mein Pfeil, das Licht der Welt, Sirrend von der Sehne schnellt,
Eure wunde Brust durchschlägt; Er euch durch die Zeiten trägt. Wenn er euer Herz erreicht Strömt ihr heimwärts, lilienleicht
Schwebend, eurer Nacht verdingt. Und ihr werdet, wenn ihr trinkt Meiner Flamme hellen Wein Eures Traumes Jünger sein."
Später Traum, zur Nacht gesandt, Dein ergrautes Sagenland Wurde in den Flammen jung. Pforten der Erinnerung
Öffnen sich; wir kehren ein... Wissend, daß der Weisen Stein Nur ein toter Kiesel ist, Sterne grüßend, ohne Frist,
Wandeln wir von Traum zu Traum An des Styxes Ufersaum. Mohn, von Göttern ungepflückt, Blühend alle Wege schmückt,
Duftet lockend, rot entflammt Auf der Nächte dunklem Samt Und wir flechten ihn ins Haar, Schreiten weiter Jahr um Jahr,
Bis, was lebend wir geliebt, Still verlodert und zerstiebt, Bis der alten Namen Klang Dumpf verhallt im Untergang.
Ohne eines Wunsches Last Atmen wir, der Traum verblaßt In der Nächte leeren Raum. Und wir werden selbst ein Traum.
Wir, wenn unser Weg zerrinnt, Falter, Falken, Drachen sind, Kreisen um den Mondopal Über welterlöstem Tal.
Uwe Nolte
|
 |
|
|
|
|
Einsam, an geheimer Stelle, Eine alte Waldkapelle Zwischen Moos und Steinen steht. Hohe Bäume sie umringen Und von ihrem Turme klingen Glockenschläge, abends spät.
Kerzen brennen an den Wänden Flackernd sie ihr Licht entsenden, Weihrauchduft den Raum erfüllt. Den Altar, um Gott zu loben, Schmückt von Kerzenschein umwoben Leuchtend ein Marienbild.
Wenn die Glocke schlägt beständig Schaut Maria wie lebendig Durch der Fenster mattes Glas, Sucht den Sohn, den sie geboren, Den sie an die Welt verloren, Die sein hohes Wort vergaß,
Und ihr Herz will ihn erreichen, Sucht am Himmel seine Zeichen, Den kein Sonnenstrahl erhellt. Durch die Fenster blickt sie trauernd; Vor der Finsternis erschauernd, Weint sie leise um die Welt.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Längst begraben ist die Erde Von des Eises schwerer Hülle. Zitternd treiben Schneekristalle In der winterlichen Stille.
Laubentblößte Bäume stehen Frosterstarrt in stummer Trauer, Ihrer Schatten Truggestalten Tanzen an der Friedhofsmauer,
Winken lockend in das Dunkel Laden ein zu ihrem Reigen, Traumverloren schwebt des Mondes Sichel über tiefstem Schweigen.
Und der Wind er trägt herüber, Von den Gräbern durch die Lüfte, Frühlingsmilder Maiennächte Unergründlich süße Düfte.
Uwe Nolte
|
|
|
|
In einem Tal bei armen Hirten Erschien mit jedem jungen Jahr, Sobald die ersten Lerchen schwirrten, Ein Mädchen, schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren, Man wußte nicht, woher sie kam; Und schnell war ihre Spur verloren, Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe, Und alle Herzen wurden weit; Doch eine Würde, eine Höhe Entfernte die Vertraulichkeit.
Sie brachte Blumen mit und Früchte, Gereift auf einer andern Flur, In einem andern Sonnenlichte, In einer glücklichern Natur.
Und teilte Jedem eine Gabe, Dem Früchte, Jenem Blumen aus; Der Jüngling und der Greis am Stabe, Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste; Doch nahte sich ein liebend Paar, Dem reichte sie der Gaben beste, Der Blumen allerschönste dar.
Friedrich Schiller
|
|
|
|
Spät es ist; des Himmels Gold Matter durch die Wolken schimmert. Welke Blätter mit sich reißend, Weht ein Wind, der nachtverheißend Über kahler Heide wimmert.
Abend, Du dem Leben gleichst; Zwischen Tag und Nacht gefangen, Flackert einsam deine fahle Flamme, die mit letztem Strahle Sinkt, vom Wolkentuch verhangen.
Haltlos nun der Tag zerrinnt, Nur Erinnerungen werden Gleich den dürren Blättern treiben Durch die Träume, sie verbleiben, Wenn die Nacht beginnt auf Erden.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Kein Hauch in kühler Luft Zur Abendzeit sich regt, Schwarz glänzt der See im Dämmerlicht, Seit Stunden unbewegt,
Nur eine Welle noch Zerfließt, ans Ufer schlägt, Der Stille unbeflecktes Tuch Sich auf das Wasser legt,
Die Nacht beginnt, sie wirkt Geheimnisvoll vertraut Und wie ein Auge, tränenfeucht, Der See zum Himmel schaut.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Leuchte heller, schöner Abendstern, Schmück die Nacht mit deinem Glanz, Lege nieder auf der Liebe Grab Heute deines Lichtes Kranz, Lindern soll dein sonnengleicher Strahl Dieser Ewigkeiten stumme Qual.
Steige höher, schöner Abendstern, Immerfort mit Funkenflug, Wende ab dein reines Angesicht Heute von des Lebens Trug, Wende ab dich von der Erde Kreis, Niemand hier von deiner Schönheit weiß.
Gehst du unter, schöner Abendstern, Du, der stillsten Stunden Zier, Folgt, vom Morgengrauen abgewandt, Manches Herz in Trauer Dir, Flieht mit dir weit in die Nacht hinein, Sterbend, um gleich dir ein Stern zu sein
Uwe Nolte
|
|
|
|
Noch atmend, gefangen im Wort der Legende, Mit Fesseln von Flüchen an Armen und Hals, Jahrhunderte grüßend, verharre ich durstig Am Born meines Schicksals, in steinerner Pfalz. Es ist eine Lüge, das stumm ich die Jahre Durchschlafe als leblose Sagengestalt. Mein Name im Blute erkorener Völker Mit lockendem Klange fanfarengleich hallt.
Schon oft hat mein Zepter in ehernen Fäusten Erlesener Geister geruht, meine Kraft, Verliehen dem Träger des Zepters, hat läuternd Hinweg manche sieche Epoche gerafft. Dem reifenden Jüngling erschien ich in Träumen, Ihm reichte ich feierlich schweigend das Schwert Des Vaters und wies ihm verschüttete Wege Zum Feld seiner Ehre, nach dem er begehrt.
Und traf ihn im Kampfe, auf tosendem Grunde, Ein guter, vom Leben befreiender Streich, So sah er im Sterben in stürzenden Himmeln Das Gold hehrsten Glaubens; die Krone vom Reich! Ich habe geopfert die Jugend der Völker, Mir mordend den Glanz meiner Herrschaft bewahrt, Es lohte im Scheine verbrennender Städte An nächtlicher Kuppel mein flammender Bart.
Millionen mir folgten, die betend nun knien In Andacht vor meinem gewachsenen Thron, Sie nennen mich Gott, doch ich, einsam herrschend, Bin nur eines Traumes verwunschener Sohn. Die Heimkehr des Vaters der Welten erwartend, Schweift gläubig zum Himmel mein suchender Blick, Es sind mir die Raben, die zahlreich dort kreisen, Willkommene Boten von nahendem Glück.
Ich halte den Hammer der Urelemente Zum tödlichen Wurfe frohlockend bereit, Er möge zermalmen das Haupt schwersten Frevels, Den Ungeist, der Kosmos und Erde entzweit. Mich nährt süße Hoffnung auf kommende Tage, Auf blutender Völker ersticktes Geschrei, Ich! werde auf feurigem Wagen entfliehen Der Schuld und Verdammnis, in Ewigkeit frei.
Uwe Nolte
|
 |
|
|
|
|
Welt! im Flug bin ich entronnen Dem Verhängnis deiner Wonnen, Deinem Gram, den du gesät. Ich erkannte deine Tücke, Nun ich deiner Nacht entrücke Als lebendiger Komet.
Welt! aus deiner Mitte kamen Jene, die mir alles nahmen, Auch der Liebe sanften Strahl. Mich dein Werben nicht verführte, Weil ich unermüdlich schürte In den Tiefen meiner Qual.
Spät ich fand, mir selbst entquollen, In dem dunkelsten der Stollen Eines Erzes Aderstrang, Und ich konnte ihm entringen Sein Geheimnis, schuf mir Schwingen, Härtete sie nächtelang.
Sieh! mit meinem Flug verhöhne Ich die Scharen deiner Söhne, Die dein fauler Atem trügt. Ich mich unbeschwert befreie, Lachend jene Brut bespeie, Die in deinem Schatten liegt.
Deiner Freuden Schierlingsbecher Trank ich gierig, nun, als Rächer, Spucke ich ihn wieder aus! Soll das Gift der Leidenschaften, Dich verbrennend, an dir haften, Über meine Zeit hinaus!
Dieser Fluch sei dir beschieden; Möge ein Geschlecht von Schmieden, Das mir ebenbürtig ist, Brücken, Türme, Schiffe bauen, Närrisch deine Erze hauen, Bis du nur ein Grabloch bist.
Das Geschlecht, versucht von Sternen, Wird, gleich mir, das Fliegen lernen, Üben hohe Schmiedekunst, Aber götterlos erwachen In dem aufgesperrten Rachen Einer letzten Feuersbrunst.
Waffenstarr, erstickt von Eisen Wird dein Angesicht verwaisen, Du sollst gleichen einem Stein, Der in einen Abgrund fallend, Polternd, splitternd, kläglich hallend, Sich verirrt, um Staub zu sein!
Welt! im Flug bin ich entronnen Dem Verhängnis deiner Wonnen, Deinem Gram, den du gesät. Ich erkannte deine Tücke, Nun ich deiner Nacht entrücke Als lebendiger Komet.
Uwe Nolte
|
|
|
|
Als von des Friedens heilgen Talen, Wo sich die Liebe Kränze wand, Hinüber zu den Göttermahlen Des goldnen Alters Zauber schwand, Als nun des Schicksals ehrne Rechte, Die große Meisterin, die Not, Dem übermächtigen Geschlechte Den langen, bittern Kampf gebot;
Da sprang er aus der Mutter Wiege, Da fand er sie, die schöne Spur Zu seiner Tugend schwerem Siege, Der Sohn der heiligen Natur; Der hohen Geister höchste Gabe, Der Tugend Löwenkraft begann Im Siege, den ein Götterknabe Den Ungeheuern abgewann.
Es kann die Lust der goldnen Ernte Im Sonnenbrande nur gedeihn; Und nur in seinem Blute lernte Der Kämpfer, frei und stolz zu sein; Triumph! die Paradiese schwanden, Wie Flammen aus der Wolke Schoß, Wie Sonnen aus dem Chaos, wanden Aus Stürmen sich Heroën los.
Der Not ist jede Lust entsprossen, Und unter Schmerzen nur gedeiht Das Liebste, was mein Herz genossen, Der holde Reiz der Menschlichkeit; So stieg, in tiefer Flut erzogen, Wohin kein sterblich Auge sah, Still lächelnd aus den schwarzen Wogen In stolzer Blüte Cypria.
Durch Not vereiniget, beschwuren Vom Jugendtraume süß berauscht Den Todesbund die Dioskuren, Und Schwert und Lanze ward getauscht; In ihres Herzens Jubel eilten Sie, wie ein Adlerpaar, zum Streit, Wie Löwen ihre Beute, teilten Die Liebenden Unsterblichkeit.-
Die Klagen lehrt die Not verachten, Beschämt und ruhmlos läßt sie nicht Die Kraft der Jünglinge verschmachten, Gibt Mut der Brust, dem Geiste Licht; Der Greise Faust verjüngt sie wieder; Sie kommt, wie Gottes Blitz, heran, Und trümmert Felsenberge nieder, Und wallt auf Riesen ihre Bahn.
Mit ihrem heilgen Wetterschlage, Mit Unerbittlichkeit vollbringt Die Not an einem großen Tage, Was kaum Jahrhunderten gelingt; Und wenn in ihren Ungewittern Selbst ein Elysium vergeht, Und Welten ihrem Donner zittern - Was groß und göttlich ist, besteht.-
O du, Gespielin der Kolossen, O weise, zürnende Natur, Was je ein Riesenherz beschlossen, Es keimt' in deiner Schule nur. Wohl ist Arkadien entflohen; Des Lebens beßre Frucht gedeiht Durch sie, die Mutter der Heroen, Die eherne Notwendigkeit. -
Für meines Lebens goldnen Morgen Sei Dank, o Pepromene, dir! Ein Saitenspiel und süße Sorgen Und Träum' und Tränen gabst du mir; Die Flammen und die Stürme schonten Mein jugendlich Elysium, Und Ruh und stille Liebe thronten In meines Herzens Heiligtum.
Es reife von des Mittags Flamme, Es reife nun vom Kampf und Schmerz Die Blüt am grenzenlosen Stamme, Wie Sprosse Gottes, dieses Herz! Beflügelt von dem Sturm, erschwinge Mein Geist des Lebens höchste Lust, Der Tugend Siegeslust verjünge Bei kargem Glücke mir die Brust!
Im heiligsten der Stürme falle Zusammen meine Kerkerwand, Und herrlicher und freier walle Mein Geist ins unbekannte Land! Hier blutet oft der Adler Schwinge; Auch drüben warte Kampf und Schmerz! Bis an der Sonnen letzte ringe, Genährt vom Siege, dieses Herz.
Friedrich Hölderlin
|
 |
|
|
|
 |
 |
 |
|