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Diese Rubrik beinhaltet in Auszügen das Kinderbuchprojekt von Claudia Arndt und Uwe Nolte, das wir auch mit UNTERM REGENBOGEN vertonten. In einer an die weltberühmten Gedichte Wilhelm Buschs erinnernden Sprache, werden beim Lesen Phantasiebilder geschaffen, die aber erst im Zusammenspiel mit dem liebevoll gestalteten Werk der Illustratorin ihre volle Farbigkeit entfalten.
Weitere Informationen und Hörbeispiele finden Sie hier.
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"Statt dem handelsüblichen, zeitgeistgerechten Kinderkauderwelsch, soll bei diesem Projekt die Entwicklung einer eigenen Identität im Vordergrund stehen. Mit Humor und sprachlichem Scharfsinn, aber ohne pädagogischen Anspruch werden Geschichten erzählt, deren moralische Quintessenz auch manchem "Erwachsenen" zugute kommt." Scott v. Bascervilles
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Im Schatten einer Seerose, Auf einem Blatte saß, Ein junges Fröschlein, kugelrund Und grün, wie frisches Gras.
Sein dicker Bauch voll Mücken war Es war wohl reichlich satt, Die Sommerhitze machte es Am Mittag träg und matt.
Bald schlief es ein und schnarchte leis, Die Sonne weiterzog, Doch mit der Sonne schnellem Lauf Der Schatten auch verflog.
Und ohne Schatten wurde es Bald unerträglich heiß, Das Fröschlein aber träumte nur Von kühlem Südpoleis.
Es war im Traum ein Pinguin, An reichgedecktem Tisch, In einem Anzug, sonderfein, Von feinstem Tintenfisch.
Aus Eisbärfell, trug voller Stolz, Es einen warmen Hut, In Wirklichkeit da schmorte es In heißer Mittagsglut.
Und während es süß träumend schlief Da flog ein Storch zum See, Dem tat seit vielen Stunden schon Der Bauch vor Hunger weh.
Er wußte das hier jeden Tag, Am selben Platze saß, Ein junges Fröschlein, kugelrund Und grün, wie frisches Gras.
Doch an dem ihm bekannten Ort Das Fröschlein er nicht fand, Denn dessen Bäuchlein war ganz rot Von einem Sonnenbrand.
Er hielt es für ein Rosenblatt Das auf den Wellen trieb, Und so das Fröschlein, ahnungslos, Verschont vom Unglück blieb.
Es war im Traum ein Pinguin, Sehr klug und weitgereist, Der einen Storch zum Diener hat Und Kaviar verspeist.
Und sicherlich träumt heute noch Das Fröschlein weiter fort: Ein Traum ist oft der sicherste Und allerschönste Ort!
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Eine Hummel, dick und eitel, Lief mit stolz geschwellter Brust Und mit streng gekämmten Scheitel Durch die Lande im August. In dem Pelz mit gelben Streifen Wirkte sie sehr damenhaft, Ihre Hüfte tarnten Schleifen Auf der frohen Wanderschaft.
Sie, die schönste aller Hummeln, Keinen halben Daumen groß, Wollte diesen Tag verbummeln, Vogelfrei und sorgenlos. Pfeifend ging sie über Wiesen, Kullerte von Berg zu Tal, Wollte faulenzend genießen Jeden warmen Sonnenstrahl.
Und sie kletterte am Halme Einer Blume hoch geschwind, Die wie eine Kokospalme Raschelte im Sommerwind. Oben, auf der weichen Blüte, Sie ein Ruheplätzchen fand, Wippte träumend, etwas müde, Auf des Blütenkelches Rand.
Blinzelnd sah sie rings die Bienen, Die sich mühten, naß vom Schweiß, Närrisch sie ihr nur erschienen, Sie verlachte ihren Fleiß. Frech sie eine Biene neckte, Dann stibitzte sie ihr gar Ihren Nektar, den sie schleckte, Emsig, wie sie sonst nie war.
"Dieser Saft", die Biene summte, "Ist nicht deiner, den du nippst!" Doch die Hummel nur noch brummte, Sie war scheinbar schon beschwipst. Alle Farben wurden bunter Desto gieriger sie trank, Plötzlich wurde wahr ein Wunder; Sie hielt sich für groß und schlank!
Jede ihrer Wangen glühte, Einer Pfirsichfrucht sie glich. Torkelnd stand sie auf der Blüte, Sagte kühn und feierlich; "Ach, das ist ja alles Schummel, Was ich mit den Augen seh, Ich bin wahrlich keine Hummel, Sondern eine Märchenfee!"
"Abbradabbra" laut sie lallte, Dann fuhr sie noch lauter fort; "Cadablabla", mächtig hallte Durch die Welt ihr Zauberwort. Und sie lallte ohne Ende, Sehr geheimnisvoll sie tat, Schwang umher die kleinen Hände, Wirbelnd wie ein Mühlenrad.
Sie den Mond vom Schlaf erweckte, Nacht und Sterne sie beschwor, Weit sie ihre Arme streckte Und das Gleichgewicht verlor. Plumps-Pardauz! zur Erde nieder Fiel sie, einem Steine gleich, Jedes ihrer zarten Glieder Schmerzte und war butterweich.
Kleinlaut, ängstlich, ganz beklommen, Von dem großen Schrecken krank, Flüsterte sie noch benommen Von dem süßen Nektartrank; "Ja, was sollte auch der Fummel Mit der üblen Zauberei, Ich bin lieber eine Hummel, Sorgenlos und vogelfrei!"
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100 weiche Wolkenschäfchen Trabten hin, vor Ewigkeiten, An dem Hange eines Berges Über saftig grüne Weiden.
100 weiche Wolkenschäfchen Hörten laute Stimmen nahen, Als erschreckt sie talwärts blickten, Viele Menschen sie dort sahen.
100 weiche Wolkenschäfchen Angsterfüllt hinunter schielten, Weil die Leute in den Händen Blitzeblanke Scheren hielten.
100 weiche Wolkenschäfchen Ahnten was die Diebe wollten Und warum, sie wie im Fieber, Gierig mit den Augen rollten.
100 weiche Wolkenschäfchen Blökten, wie aus tausend Kehlen: Niemand darf, mit keckem Finger, Unsre Wollgewänder stehlen!“
100 weiche Wolkenschäfchen Sprangen über Berg und Klüfte, Flohen vor den scharfen Scheren In die himmelblauen Lüfte.
100 weiche Wolkenschäfchen Sieht man noch in Sommertagen, Wenn sie mit den milden Winden Über Himmelswiesen jagen.
100 weiche Wolkenschäfchen Fürchten weder Schimpf, noch Scheren Und nur die Erwachsnen glauben Das am Himmel Wolken wären!
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Das Kinderherz ein Tempel ist Aus gläsernem Gestein Und wenn die Sonne schlafen geht Tritt dort ein Engel ein. Er zündet an für jedes Kind, Ein Lichtlein am Altar, Das leuchtet wie der Sternenstaub In seinem goldnen Haar.
Das Kinderherz ein Tempel ist Aus gläsernem Gestein, Durch seine hohen Mauern dringt Beständig Sonnenschein Und keine schiefe Büßerbank In dunkler Ecke steht; Der Kinder freier Glaube kennt Kein trauriges Gebet!
Das Kinderherz ein Tempel ist Aus gläsernem Gestein. Oft weht der Wind zur Herbsteszeit Ein buntes Blatt hinein, Daraus der Kinder Phantasie Ein Tuch aus Farben webt, Das leicht, wie eines Liedes Klang, Durch seine Halle schwebt.
Das Kinderherz ein Tempel ist, Aus gläsernem Gestein, Doch irgendwann wird dem Verstand Ein Kinderherz zu klein Und zeigt sich an dem Mauerwerk Der allererste Sprung, Dann ist die wundersame Zeit Nur noch Erinnerung.
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Fräulein Elster, frisch geschniegelt, Parfümiert und eingeigelt In dem neu erbauten Nest, Zupft mit köstlichem Gezeter Sorgsam sich an jeder Feder, Macht sich schön fürs Frühlingsfest.
Sie bewundert sich im Spiegel, Putzt mit ihrem Lieblingsstriegel Flink den Schnabel blank und rein, Schrubbt und rubbelt, reibt und rackert, Bis sie zu sich selber gackert: "Ach, ich bin ein Edelstein!"
All die angehäuften Dinge; Reifen, Spangen, Silberringe Sie zufrieden krächzend zählt, Dann urplötzlich wird sie leiser, Schweigt nur kurz, dann krächzt sie heiser: "Eine neue Kette fehlt!"
"Ja, man wird mich übersehen, Müßte ich jetzt schnurstracks gehen Ohne Kette zu dem Fest!" Und sie hüpft mit ihrem Spiegel, Groß und wuchtig wie ein Tiegel, Gierig äugend aus dem Nest.
Über Wiesen kreist sie krächzend, Fliegt, nach Gold und Silber lechzend, Das vielleicht jemand verlor, Dann wird ihre Stimme greller, Ihre Augen strahlen heller; Etwas schimmert dort hervor.
Flink, mit rauschendem Gefieder, Stürzt sie auf die Wiese nieder, Packt, vor Elstergier ganz blind, Was dort so verlockend schimmert, Golden zwischen Blumen flimmert Und hängt es sich um geschwind.
"Dieses kostbare Geschmeide Paßt zu meinem Federkleide, Wie mein Spiegelbild zu mir, Alle werden flüstern, raunen, Über meine Kette staunen, Neidisch tuscheln, voller Gier,
Doch ich werde Größe zeigen, Werde majestätisch schweigen, Wenn mich anstarrt jedermann!" Und sie schaut mit großen Augen, Die nur zum Bewundern taugen, Sich in ihrem Spiegel an.
Fräulein Elster, wippt und schunkelt, Staunt, wie ihre Kette funkelt, Die sie um den Hals gelegt, Schaut sich an von jeder Seite Ihr erbeutetes Geschmeide, Das auf einmal sich bewegt.
Sie ein großes Unheil wittert, Sie am ganzen Leibe zittert, Bis sie nur noch seufzt: "Oh, Graus!" Und sie taumelt, kann nur lallen, Dann erstarrt sie, und es fallen Alle ihre Federn aus.
Und ihr liebster Freund, der Spiegel, Rutscht aus ihrem nackten Flügel, Fällt zu Boden und zerbricht. Hundertfach in allen Scherben Sieht sie ihre Schönheit sterben Im erwachten Frühlingslicht.
Ihre Augen starren gläsern, Nackt, umringt von hohen Gräsern Kläglich sie nach Atem ringt, Doch es naht kein kühner Retter; Sich um ihren Hals ein fetter Regenwurm gemütlich schlingt.
Golden schimmernd, voller Wonne, Ringelt er sich in der Sonne, Blinzelt froh die Elster an, Die mit ungewohnter Stille Äugt und ihres Unglücks Fülle Einfach nicht begreifen kann.
Überall, auf frischen Wiesen Farbenfrohe Blüten sprießen, Lustig pfeifend weht der Wind, Pustet fort die Elsterfedern; Endlich, ohne eitles Zetern Nun das Frühlingsfest beginnt.
Vögel zwitschern, Grillen geigen, Käfer tanzen ihren Reigen, Laut der Frösche Chor erklingt, Fräulein Elster lauscht der Weise Und es scheint als ob sie leise Mit den andern Tieren singt.
Ja! sie hebt, belebt vom Schalle Ihrer Stimme, eine Kralle In die Höhe und beginnt Den Gesang von allen Tieren Feierlich zu dirigieren; Alle tuscheln nur: "Die spinnt!"
"Lauter, lauter!" krächzt sie böse Und mit mächtigem Getöse Dirigiert sie splitternackt; Ja! selbst ohne ihr Gefieder, Hat das Fräulein Elster wieder Ihre Eitelkeit gepackt.
Einsam steht sie da und zappelt, Meckert, zetert, krächzt und prabbelt, Fräulein Elster sich sehr müht; Doch wen kümmert ihr Gezappel, Ihr Gezeter und Geprabbel, Jetzt, wo alles grünt und blüht!
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